• Hallo Zusammen,


    ich bin offensichtlich neu im Forum, aber auch als Betriebsrat und Betriebsratsvorsitzender noch "grün hinter den Ohren". Wir haben im Oktober 2018 neu gegründet. Ich bin seit Juni BRV, nachdem der vorherige hin geschmissen hat. Bin seit August 100% freigestellt und will versuchen - neben den Schulungen - auch hier noch dazu zu lernen.


    Grüße

    Kaffeeschlürfer

  • Viel Spaß im Forum und lass dich nicht, von der manchmal etwas schroff anscheinenden Art einiger Forumsteilnehmer erschrecken.

    Dass sind auch jene, die hier meiner Meinung nach über ein erhebliches Maß an Fachwissen verfügen und jedem versuchen zu helfen, der Hilfe annehmen will.


    Wie mal eine Führungskraft zu mir sagte: Menschen denen man helfen will, müssen Förderungswillig und Förderungsmöglich sein.

    Das Leben ist Veränderung

    Starte dort, wo du stehst!

    Aber versuche jeden Tag einen neuen Startpunkt zu finden!
    Benutze das, was du hast!

    Aber versuche jeden Tag etwas neues zu benutzen!
    Tu das, was du kannst!

    Aber versuche jeden Tag etwas mehr zu tun!

  • Wow... neugegründet und jetzt gleich freigestellt? Mein Beileid ist dir sicher. Dessen ungeachtet: willkommen im Club.


    Und was das angeht:

    und will versuchen - neben den Schulungen - auch hier noch dazu zu lernen

    kann ich Dir, aus ureigenster Erfahrung, sagen, dass das hervorragend funktioniert!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Lieber Gruß in die Runde auch ich bin frisch hier in diesem Forum und hätte direkt mal eine Frage.


    Der AG will die Lohnauszahlung ändern vom 1. zum 15. d.h. die AN haben einmalig 6 Wochen kein Geld. Würden aber einen Abschlag bekommen.


    Wie würdet ihr dies angehen als BR ?


    Liebe Grüße in die Runde bin gespannt

  • Wie würdet ihr dies angehen als BR ?

    Dem AG erstmal freundlich klarmachen, dass das mitbestimmt ist nach § 87 I 4 BetrVG. Und dann eine gemeinsame Lösung finden. Wobei der Abschlag ja schon mal ein guter Ansatz ist.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Genau das haben wir ihm gesagt und neben den Abschlag auch noch eine verfrühte Auszahlung vom Weihnachtsgeld als Zusage bekommen.


    Ich bin mir nur nicht sicher, wenn im jeweiligen Arbeitsvertrag steht das Gehalt ist spätestens am 1. eines jeden Monats zu zahlen, ob wir als BR uns darüber hinwegsetzen können ???

  • Hallo lindabr,


    das macht aus meiner Sicht nur Sinn, wenn ihr ein Schichtbetrieb seit und nun immer zum Monatsende der Monatsgrundlohn kommt und im Folgemonat dann die Abschlussrechnung.

    Das ganze hat Nachteile, den die Beschäftigten dann alleine tragen müssen. Beim Arbeitsplatzwechsel gilt im Folgemonat des Austrittsmonat dann die Steuerklasse 6 weil ja in dem Monat 2 verschiedene Arbeitgeber gehalt zahlen. Weiterhin weiß ich nicht was bei Arbeitsplatzverlust ist und ab wan das Arbeitsamt arbeitslosengeld zahlt, weil auch hier gibt es ja Einnahmen in einem Monat der "Arbeitslos" ist.


    Die Frage ist, was gibt der Arbeitgeber oben drauf, um von der korrekten Bezahlung abzuweichen?

    Wenn er immer zum 15ten zahlen will, dann kann er doch für einen halben Monat in vorleistung gehen und das gehalt am 15 für den laufenden Monat zahlen ;).


    Weiterhin was ist bei Insolvenz? 1,5 monatsgehälter weg?


    gruß

    rabauke

  • Ich bin mir nur nicht sicher, wenn im jeweiligen Arbeitsvertrag steht das Gehalt ist spätestens am 1. eines jeden Monats zu zahlen, ob wir als BR uns darüber hinwegsetzen können ???

    Gut, diese Info hat gefehlt. Hier stehen verschiedene Rechtsnormen gegeneinander. Prinzipiell steht die BV über dem AV, allerdings gilt zwingend auch das Günstigkeitsprinzip - d.h. die für die AN günstigere Regel findet Anwendung.


    M.E. ist eine spätere Auszahlung des Entgeltes deutlich ungünstiger und damit kann sich eine BV nicht darüber hinwegsetzen - mindestens aber müsste der AG dann Monat für Monat Verzugszins zahlen: Bei 12x 14 Tagen (12x 15. statt 1. des Monats) sind das gut 45% (168/365) eines Jahreszinses auf ein Monatsgehalt.


    P.S., Frage: Der AG will vom Monatsende zum 15. des Folgemonats? Dann ist er mindestens 15 Tage im Verzug, entsprechend höher der Zins, gut 50% des Jahreszinses auf die Summe eines Monatsgehaltes. Ich sehe allerdings nicht, warum der BR da mitmachen sollte.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

    Einmal editiert, zuletzt von Fried ()

  • Ich habe gerade darüber nachgedacht, dass es ja z.B. bei Banken üblich ist, dass das Gehalt für z.B. September am 15. September gezahlt wird. (14 Tage geht der AN in "Vorleistung", 14 Tage der AG).


    Dann hättet ihr gar kein Problem, weil das Gehalt ja 14 Tage früher gezahlt würde.


    So aber

    die AN haben einmalig 6 Wochen kein Geld

    ist ganz klar, dass der AG hier verspätet zahlt. Wenn der Zahlungstermin Bestandteil des Arbeitsvertrages ist, dann sehe ich das genauso wie Winfried. Kann der AG machen. Und wenn er Glück hat, lassen die Kollegen sich das gefallen. Aber jeder der klagt, würde vermutlich Recht bekommen...


    Hier wäre der sinnvollste Ansatz vermutlich, dass der AG hier jedem AN eine Vertragsänderung andient und sich den neuen Zahlungstermin unterschreiben lässt. Und als "Unterschriftsprämie" lässt er sich etwas einfallen... (da finde ich das verfrühte Weihnachtsgeld doch schon gar nicht so doof... noch ein 20 Euro Gutschein für Amazon drauf und ich bin sicher, so schnell wird er die Rückläufer gar nicht abheften können, wie sie eintrudeln...)


    Bitte richtig verstehen: der BR kann hier (nach meinem Verständnis) nichts machen, außer dem AG sagen: du hast Verträge, wo etwas günstigeres drin steht. Aber wenn Du den Kollegen z.B. o.g. Angebot machst, ziehen wir mit und unterstützen die Kampagne der Vertragsänderungen in dem wir den Kollegen die Vorteile dieser Änderung in den schillerndsten Farben schmackhaft machen.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Es bleibt ja die Frage: Warum will der AG das. Bei einem sehr zuschlagslastigen Lohn ist die Zahlung am 15. sicherlich hilfreich für die Abrechnung und Transparenz. Die Nachteile sind nicht von der Hand zu weisen. Vorzeitiges Weihnachtsgeld ist für den AN ja kein Mehrwert.

    Eine BV geht vermutlich wirklich nicht wegen den Verträgen, die offene Zustimmung des BR ist aber notwendig, wenn der AG Unterschriften unter eine Vertragsänderung haben möchte. Da sollte schon mehr drinsitzen als ein 20 Euro Gutschein.

  • Da sollte schon mehr drinsitzen als ein 20 Euro Gutschein.

    Ich denke, wir sind uns einig, dass der Zinsschaden exakt 14 Tage beträgt (denn alle weiteren Gehälter kommen dann ja wieder im regelmäßigen Abstand).


    D.h. 20 Euro für 14 Tage entsprächen über 500 Euro Jahreszins. Welchen Zinssatz und welchen Verdienst möchtest Du hier als Basis nehmen, um noch mehr zur rechtfertigen? (Bei 2 % pa bräuchtest du dafür schon einen Monatsverdienst von 25 T€)


    Will sagen: Fordern kann man natürlich viel, aber so ganz sollte man die Realität nicht aus den Augen verlieren...

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Andererseits stehen einem Arbeitnehmer selbst bei geringfügiger Unterbezahlung 40€ Entschädigung zu.


    Ja ich weiß, das BAG hat hier anders geurteilt, aber was wissen denn die schon ;). Ich halte mich da lieber an das neuere Urteil des LAG Sachsen, dass dem BAG widerspricht!

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Ein Ansatz könnte ja auch sein: Warum will der AG das machen? Realistisch doch, weil er sich dadurch weniger Aufwand, weniger Kosten verspricht. Diesen Wenigeraufwand kann man ja beziffern. Und die Ersparnis für ein Jahr verteilt der AG auf die AN. Dann spart der AG in den zukünftigen Jahren weiter, aber die Kollegen haben auch etwas davon. (Ich bin mir nur gerade nicht sicher, ob 20 Euro nicht der bessere Deal wären...)


    Ach ja, hierzu noch ein Wort:

    Vorzeitiges Weihnachtsgeld ist für den AN ja kein Mehrwert.

    Ich weiß ja, dass kaufmännisches Rechnen bei den meisten Kollegen nicht so hoch im Kurs steht, aber hier gibt es sogar einen berechenbaren (Zins-)Vorteil. Abgesehen mal davon, dass die Kollegen dadurch mit weniger Stress (weil mehr Zeit) an die Weihnachtseinkäufe gehen können. (Den Wert könnte ich jetzt spontan nicht beziffern, aber sehen tue ich ihn schon.)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Der berechenbare Zinsvorteil ist bei meiner Bank sehr überschaubar. Vielleicht bin ich bei der falschen Bank, wenn du großartig Zinsen auf ein drei Monate früher gezahltes Weihnachtsgeld bekommst.


    Wenn im AV steht, dass das Gehalt zum 01. des Monats bezahlt werden muss, dann geht es nicht um regelmäßige Zahlungen sondern darum, dass das Geld jeden Monat 15 Tage zu spät kommt. Bei deiner Bank ein bedeutender, kaufmännisch berechenbarer Nachteil. Vermieter und andere Geldempfänger werden sich nicht einfach auf eine gleichartige Verschiebung der Zahlungen um 15 Tage einlassen.

  • Ich denke, wir sind uns einig, dass der Zinsschaden exakt 14 Tage beträgt (denn alle weiteren Gehälter kommen dann ja wieder im regelmäßigen Abstand).

    M.E. hast DU da einen Denkfehler. Der Zinsschaden tritt, wenn man die Regelung im AV sieht (Monatsende) jeden Monat auf. Zu rechnen sind da eindeutig 12×15 Tage.

    Kann der AG machen. Und wenn er Glück hat, lassen die Kollegen sich das gefallen. (...) der BR kann hier (nach meinem Verständnis) nichts machen, außer dem AG sagen: du hast Verträge, wo etwas günstigeres drin steht. Aber wenn Du den Kollegen z.B. o.g. Angebot machst, ziehen wir mit und unterstützen die Kampagne der Vertragsänderungen in dem wir den Kollegen die Vorteile dieser Änderung in den schillerndsten Farben schmackhaft machen.

    Der erste Satz ist falsch, weil er das ohne BR eh nicht machen kann. Der zweite Satz ist richtig, aber das Prinzip "Wo nicht geklagt wird, wird nicht gerichtet" zur Maxime des Handelns des BR zu machen, halte ich für zynisch und falsch.


    Und der BR kann nicht nichts machen: Er kann klar sagen, dass er keine BV abschließt, die durch Aushebelung des Günstigkeitsprinzips rechtswidrig ist.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)