Neueinstellung bei Kurzarbeit

  • Hallo zusammen,

    ich bin selbst BR-Mitglied, komme aber leider mit diesem Thema nicht weiter, da meine beiden BR-Kollegen der Chefetage ein bisschen zu sehr zugetan sind.

    Folgender Sachverhalt:

    Auch wir sind von Kurzarbeit durch Corona betroffen. In unserer Abteilung sind wir auf 50%, ab dem 01.07. bekommen wir 10% mehr Arbeitszeit. Da wir in der Tierpflege arbeiten, ist die Zeit so manches mal sehr knapp. Dies wurde vereinzelt auch schon in der Chefetage angesprochen, leider ist es wohl so, dass die Firma die Kurzarbeit so lange wie nur irgend möglich ausdehnen möchte. Nun möchte unser Chef eine Hilfskraft aus einem Berufsbildungswerk für ein Jahr einstellen, dessen Gehalt dann über das Arbeitsamt gezahlt wird, damit wir Unterstützung haben. Wie nett....oder eben auch nicht. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir alteingesessenen Festangestellten weiterhin die durch Kurzarbeit entstehenden finanziellen Einbußen hin nehmen müssen, weil unsere Stunden aus wirtschaftlichen Gründen nicht erhöht werden sollen, und gleichzeitig dann eine extern finanzierte Kraft eingestellt werden darf!?!?

    Aber vielleicht belehrt ihr mich eines besseren, obwohl ich dies nicht hoffe.

    Liebe Grüße

    Yvonne

  • Hallo,


    so wie ich die Sache sehe sollte erst eure Kurzarbeit weiter reduziert werden wenn möglich.

    Sollte es sich allerdings um eine Stelle handeln die vorher nicht existent war, und die keiner von den betroffenen Personen erfüllen kann, so könnte es anders aussehen.

    Dies sehe ich bei einer Hilfskraft allerdings nicht.

    Wer hat denn die Aufgaben der Hilfskraft vorher erledigt?

    Habt ihr schon eine Anhörung bekommen? Habt ihr einen Betriebsrat?

  • Vielen Dank für deine Antwort!

    Nein, eine Anhörung des BRs gab es noch nicht.

    Bis vor einigen Monaten hatten wir eine Hilfskraft, die dann aber gekündigt hat. Seit dem erledigen wir diese Arbeiten, was auch nicht so das Problem ist, solange wir normale Arbeitszeiten haben. Es gab bisher auch keine konkreten Pläne, diese Stelle neu zu besetzen. Im Moment dürfen auch ganz andere Stellen in unserer Firma aufgrund der Situation nicht neu besetzt werden. So zum Beispiel wird es keine Vertretung für eine Mitarbeiterin im Mutterschutz aus dem Marketing geben.

    Deshalb verstehe ich es nicht, dass es rechtlich in Ordnung ist, wenn bei uns jemand eingestellt wird, während wir durch Kurzarbeit auf Gehalt verzichten müssen.

  • Der BR lehnt die Einstellung nach § 99 II Nr. 3 BetrVG ab, da die Einstellung zeige, dass ein höherer Bedarf an Arbeitskraft bestehe, eine Einstellung statt einer Erhöhung der Kurzarbeitszeit jedoch eine Nachteil für die bereits beschäftigten AN darstelle.

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • So sehe ich das auch. Sehr schön auf den Punkt gebracht! Vielen lieben Dank!

    Nun ist allerdings das Problem, dass meine BR-Kollegen wahrscheinlich nicht meiner Meinung sind und ich somit überstimmt werde.

    Ich gehe also noch mal einen Schritt weiter, da ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass eine solche Einstellung einer Hilfskraft während der Kurzarbeit im Sinne des Erfinders sein kann. Wenn ich privat mit einem Anwalt dagegen an gehen würde, hätte ich eine Chance?

  • Hallo,

    privat kann ich dir nicht sagen.


    Aber was ist denn bei euch im BR los?

    Wieso sollten die anderen da nicht für sein? Ihr seit für eure Mitarbeiter zuständig und die aus der Kurzarbeit zu bekommen ist eure Aufgabe.

  • Ich gehe also noch mal einen Schritt weiter, da ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass eine solche Einstellung einer Hilfskraft während der Kurzarbeit im Sinne des Erfinders sein kann. Wenn ich privat mit einem Anwalt dagegen an gehen würde, hätte ich eine Chance?

    Wogegen willst du denn vorgehen.

    Der BR Beschluss kannst du nicht ändern - Mehrheitsbeschluss


    Wenn die Hilfskraft dir ganz persönlich Stunden wegnimmt - also du die Arbeit erledigen könntest, käme vielleicht eine Schadensersatzklage in Frage.

    Aber was glaubst du wie lange du da noch beschäftigt wirst.

    Eine Möglichkeit wäre natürlich, mal bei der KUG bewilligenden Behörde nachzufragen.

  • Auf die Gefahr hin, dass das jetzt sehr unpopulär ist: ich verstehe euren Chef.


    Bedingt durch die aktuelle Situation hat eure Einrichtung doch keine bis kaum Einkünfte. Aber die Arbeit ist die Gleiche (Füttern, pflegen, beschäftigen, etc.pp). Hier also einen Weg zu finden, der nicht den eigenen Haushalt belastet, kann ich voll und ganz nachvollziehen.


    Ich hätte so meine Bedenken, ob es wirklich im Sinne der Kollegen ist, wenn man jetzt dafür sorgt, dass sie wieder ihr volles Einkommen haben, aber am Ende der Laden schließen muss, weil er an der finanziellen Belastung kaputtgegangen ist.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

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  • Hallo Holzhase,


    ihr hattet für die "einfachen" Aufgaben eine Hilfskraft.

    Diese hat gekündigt und wurde somit ersetzt.


    Ihr sagt wir Fachkräfte können das auch und daher wollen wir, dass wir Fachkräfte das machen.


    Ich kenne ja nicht den finanziellen Unterschied zwischen Fachkraft und Hilfskraft. Bei uns sind das im Monat ü 1000,-€

    Weiterhin hat die Fachkraft ein Recht nur diese Tätigkeiten durchzuführen, für die Sie auch eingestellt wurde.


    Hättet ihr nicht Kurzarbeit, wer weiß wie ihr dann denken würdet, wenn 40% eures Jobs Hilfstätigkeiten wären. Bei uns würden die Fachkräfte dann auf die Barrikaden gehen. Wir sind keine Hilfsarbeiter, wir wollen Fachaufgaben erledigen usw.


    Somit, die Einstellung ist rechtlich voll Korrekt, da die Tätigkeiten Hilfskraft zu Fachkraft nicht vergleichbar sind.

    Somit Hilfskraft ist weggefallen und wird ersetzt und damit die Einsatzzeiten der Fachkraft für reine Fachaufgaben wieder optimiert.


    Das die Fachkräfte dann Kurzarbeit haben, weil die Fachaufgaben weniger geworden sind, ist leider auch so

  • ELBARADO: ich weiß auch nicht, was da genau los ist. Ist nicht das erste mal. Entweder möchten meine Kollegen vor dem Chef gut da stehen, oder sie scheuen härtere Auseinandersetzungen. Oder eine Mischung aus beidem. Dass es die Aufgabe des BRs ist, trotz der momentanen Situation die Mitarbeiter irgendwann einmal wieder komplett aus der Kurzarbeit zu bekommen, sehe ich genau so.


    Ohadle: bei der Behörde mal nachzuhaken, ist auch eine gute Idee!


    Moritz: wenn die Firma an dem Gehalt von uns Tierpflegern (die nur einen kleinen Teil des Unternehmens ausmachen) letztendlich zugrunde geht, dann tut sie das meines Erachtens so oder so früher oder später.

    Selbst, wenn sie unsere Stunden nur noch ein bisschen weiter anheben und noch nicht ganz auf 100% gehen (damit wir die Aufgaben besser schaffen), fände ich das weitaus fairer, als eine Hilfskraft einzustellen.


    Rabauke: die Hilfskraft wurde damals mehr oder weniger deshalb eingestellt, damit sich das Unternehmen auf die Fahne schreiben konnte, behinderte Menschen zu integrieren. Das ist böse in die Hose gegangen. In meinen Augen wurde diese Hilfskraft am Ende raus gemobbt. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Sowohl vor dieser Hilfskraft, als auch danach haben wir die Aufgaben selbst erledigt. Erst jetzt soll diese schon mal vorhandene Stelle wieder besetzt werden, als die (für mich immer noch) fragwürdige Unterstützung, damit wir weiter in dem Maße in Kurzarbeit bleiben können.