Untätigkeit des BR

  • Hallo,

    ich bin neu hier im Forum. Kurz zur Position und dem Unternehmen. Von Mai 2018 - März 2019 BR-Vorsitzender, jetzt BR-Mitglied. Unternehmen: >100 MA, 7 Betriebsräte, trotz der übersichtlichen Mitarbeiterzahl über 30 Niederlassungen in vier Bundesländern.


    Es geht um die Untätigkeit des Betriebsrates. Ich hoffe das Thema ist so noch nicht abschließend behandelt. Ich hab jedenfalls nichts gefunden.

    Ich muss leider ein bisschen Ausholen sonst wird man den Wahnsinn hier nicht verstehen.

    Die beiden Vorgängerbetriebsräte 2010-14 und 2014-18 wurden eingeschüchtert und haben nichts bewerkstelligt.
    Dann haben wir eine verdi-Liste gegründet (leider nur vier Kandidaten). Als die GF dass spitzgekriegt hat, hat sie persönlich für eine "Gegenliste" gesorgt (acht Kandidaten, darunter drei (halb-)leitende).

    Deren Wahlkampfaussage: Alles ist gut und soll so bleiben wie es ist. Bei der Wahl gabs die Quittung: mehr als 75% für uns! Die Folge war dass wir nicht mal alle fünf uns zustehenden Sitze besetzten konnten. Wir sind also gleich 4 : 3 gestartet. Ich wurde BR-Vorsitzender. Unsere Fluktuation ist im Unternehmen im sehr deutlichen zweistelligen Bereich. Das galt auch für unsere verdi-Leute. Zwei waren bis Jahresende weg. Neues Kräfteverhältnis 2 : 5. Ich war sehr umtriebig, habe eine Menge Themen angesprochen, unbequeme Fragen gestellt, die anderen versucht im Mindestmaß mit dem BetrVG vertraut zu machen. Die Folge: eine mehrwöchige Rehabilitationsmaßnahme wurde von den "Kollegen" genutzt, in meiner Abwesenheit meine Abwahl betreiben zu wollen, und dies in einer Sondersitzung vier Tage vor meiner Rückkehr und fünf Tage vor der planmäßig anberaumten BR-Sitzung. Dieser Putsch ist gescheitert. Dafür mochten sich einige dann nicht hergeben. Auf der planmäßigen Sitzung habe ich dann den TOP zugelassen. Ergebnis bei 6 anwesenden Mitgliedern: 3 für Abwahl, 2 dagegen, 1 Enthaltung. Antrag gescheitert.

    Ich bin dann etwa 6 Wochen später von mir aus zurückgetreten. ich wollte mit meinem Namen für die Schlechtleistung nicht verantwortlich sein. Ergebnis: wir haben keinen BR-Vorsitzenden mehr seitdem. Keiner der Putschisten wollte Vorsitzender werden. Es ging von vorneherein nur um die Verhinderung von Arbeit. Seit Mai 2019 keine BR-Sitzung, keine Anhörungen, die letzte Betriebsversammlung war Anfang 2016.

    So, jetzt zu den eigentlichen Fragen:

    1.) Was kann ich tun, wenn die Anhörungen nach §99 nicht durchgeführt werden? Das Unternehmen schreibt den stv. BR-Vorsitzenden an und informiert über den Einzustellenden (aber er gibt nicht Informationen zu den abgelehnten Bewerbern!). Der stv. BR-Vorsitzende macht nichts.

    2.) Im Falle der Anhörungen nach § 102 bekommt ebenfalls der stv. BR-Vorsitzende die Unterlagen und gibt diese an uns weiter mit dem hilflosen Bemerkungen "mit der Bitte um Rückmeldung". In einem dieser Fälle haben zwei BR-Mitglieder ihre "Nichtzustimmung" schriftlich erklärt. Natürlich ohne Ergebnis.

    3.) Wie kommen wir zu einer Betriebsversammlung?

    Danke für's Lesen.
    Gruß Sinclair

  • Zu 1.) & 2.)

    Da kannst Du als Einzelkämpfer nicht wirklich was erreichen, wenn Du keine Unterstützung vom Gremium hast, brauchst Du die Unterstützung der Belegschaft und/oder der Gewerkschaft:

    § 23 BetrVG

    Mindestens ein Viertel der wahlberechtigten Arbeitnehmer, der Arbeitgeber oder eine im Betrieb vertretene Gewerkschaft können beim Arbeitsgericht den Ausschluss eines Mitglieds aus dem Betriebsrat oder die Auflösung des Betriebsrats wegen grober Verletzung seiner gesetzlichen Pflichten beantragen. Der Ausschluss eines Mitglieds kann auch vom Betriebsrat beantragt werden.

    Ähnlich zu 3.)

    § 43 BetrVG

    Der Betriebsrat ist berechtigt und auf Wunsch des Arbeitgebers oder von mindestens einem Viertel der wahlberechtigten Arbeitnehmer verpflichtet, eine Betriebsversammlung einzuberufen und den beantragten Beratungsgegenstand auf die Tagesordnung zu setzen.


    Es gibt noch eine weitere (theoretische) Möglichkeit eine Neuwahl zu erzwingen. Das funktioniert aber nur, wenn Euch aufgrund der hohen Fluktuation langsam die Ersatzmitglieder ausgehen. Wenn Ihr z.B. nur noch 2 Ersatzmitglieder habt und 3 BRM zurücktreten, also eine vollständige Nachbesetzung nicht möglich ist, muss auch neu gewählt werden.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Hallo John,


    meine Herren, bei deiner Geschichte sollte man ein bisschen weiter ausholen.


    Als die GF dass spitzgekriegt hat, hat sie persönlich für eine "Gegenliste" gesorgt

    genau das ist der Grund, warum man mit solchen Listen erst zum Ende der Abgabefrist um die Ecke kommt und sich sehr ganau überlegt, wen man über diese Liste informiert.


    Wir sind also gleich 4 : 3 gestartet.

    Deshalb auch immer schauen, dass genügend Kndidaten auf der Liste stehen. Aber vielleicht haben sich ja auch nicht mehr gefunden.


    Ich bin dann etwa 6 Wochen später von mir aus zurückgetreten. ich wollte mit meinem Namen für die Schlechtleistung nicht verantwortlich sein. Ergebnis: wir haben keinen BR-Vorsitzenden mehr seitdem.

    Auch hier wieder ein schwerer taktischer Fehler. Entweder man sucht sich bereits vorher einen Gegenkandidaten, oder man bleibt BRV damit man wenigstens noch ein bisschen was regeln kann. Und wenn man es wirklich nicht mehr aushält, dann wird der Punkt Neuwahl eines BRV auf die TO genommen und der muss dann gewählt werden. Ob eine Nicht-Wahl des BRV ein grober Amtspflichtverstoß ist, halte ich durchaus für möglich. (§23 BetrVG)


    die letzte Betriebsversammlung war Anfang 2016

    Diesen Satz hätte ich beinahe überlesen, aber genau das ist der Teil, bei dem ich ansetzen würde. Dies ist eine schwere Amtspflichtverletzung, die eine gerichtliche Auflösung des Betriebsrates begründet (§23 BetrVG) Dies kann der Arbeitgeber (der wirds bestimmt nicht machen) ein Viertel der Wahlberechtigten (schwierig die zu finden) oder eine, im Betireb vertretene Gewerkschaft machen.

    Deshalb würde ich zu meinem Gewerkschaftsvertreter gehen, ihm die Sache erklären und um Hilfe bitten. Erfahrungsgemäß (hörensagen) bei der Verdi ein bisschen schwierig, aber wenn du einen guten Betirebsbetreuer hast, dürfte das kein Problem sein.

    Damit würde der Betriebsrat vom Gericht aufgelöst und der BR wird neu gewählt. Hier kann man dann, mit entsprechender Wahlwerbung für sich und seine Liste werben und normal weiterarbeiten. Wenn sich der Betriebsrat gegen das Urteil in erster Instanz nicht wehrt, dauert das Verfahren auch nicht allzu lang.


    Deine eigentlichen Fragen sind für mich relativ leicht zu beantworten: Im Prinzip kannst du nichts tun, um in der jetzigen Situation deine Wünsche zu erreichen.


    Der Betriebsrat müsste eigentlich überhaupt nicht informiert werden, da er nicht anständig konstituiert ist. Solange das nicht der Fall ist, hat der AG keinen Ansprechpartner, dem er die Unterlagen oder die Anhörung überreichen kann. Empfänger der Erklärungen des Arbeitgebers ist der BRV nur im Falle seiner Verhinderung sein Stellvertreter.

    Nachdem es aber keinen BRV gibt, kann es auch keinen legitimen Verhinderungsgrund geben. Euer BR ist damit komplett handlungsunfähig.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Dann haben wir eine verdi-Liste gegründet

    Dass du dich mit deinem Problem an uns wendest, statt an deine Gewerkschaft bestätigt wohl die Aussage von Markus, dass es mit Verdi nicht so einfach ist Unterstützung zu bekommen...


    Vor dem Hintergrund gibt es aus meiner Sicht eigentlich nur eine Möglichkeit: Es nutzt dir gar nichts, wenn es dir gelänge, dass Verdi die Auflösung des BR beantragt (wobei ich persönlich ja auch die Vermutung hege, dass der BR, wenn er schlau ist, nach der Aufforderung durch Verdi eine Betriebsversammlung durchzuführen (oder eben auch erst wenn die Klageschrift ankommt) eine Betriebsversammlung einberuft. Ob ein Richter dann noch den BR absetzt? Das wird sich zeigen...)


    Aber gehen wir mal davon aus. Und dann? Wenn du es jetzt nicht schaffst, die Betriebsöffentlichkeit zu mobilisieren - was soll dann im Falle einer Neuwahl passieren?


    Du musst jetzt die Kollege motivieren und aktiv werden. Sonst geht es nach der Absetzung doch genauso weiter wie bisher.


    Für den Anfang würde es reichen, wenn du eine Unterschriftenliste erstellst und Unterschriften dafür sammelst, dass eine Betriebsversammlung zum Thema .... abgehalten wird. Und wenn du das Viertel voll hast - ab dafür. Bekommst du das Viertel nicht, dann ist die alte Weisheit zwar kein echter Trost, aber einmal mehr belegt: jede Belegschaft hat den BR, den sie verdient! (Und manchmal verdienen sie eben keinen!)


    Viel Erfolg!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • von mai 18 bis März 19 BR-Vorsitzender aber keine Betriebsversammlung in dieser Zeit?

    Da stellt sich die Frage, was beschwerst du dich zu diesem Punkt, wenn du selbst nicht eine Betriebsversammlung gehalten hast?


    Ich sage mal so, die Beschäftigtenstruktur bei euch ist scheinbar im ständigen Wandel und nur wenige Arbeitnehmer wollen dauerhaft bei euch beschäftigt sein. die wenigen die dauerhaft bei euch beschäftigt sind, haben Personalverantwortung, sind aber keinen leitenden und sind, weil dauerhaft bei euch beschäftigt Mitglied des BR.


    Scheinbar hat dieser BR keinen Vorsitzenden und keinen Stellvertreter und ist somit nicht konsituiert und damit nicht im Amt.


    Damit kann der Arbeitgeber machen was er will.


    Die Gewerkschaft, mit der ihr zusammen gearbeitet hat schein nicht viele Mitglieder zu haben (in eurem Betrieb) da hier eine hohe Personalfluktuation herrscht.


    Gut wenn das so ist, dann ist das so. meine Emfehlung, der Arbeitsmarkt in Deutschland ist nicht schlecht. Es finden sich für fast jede Tätigkeit offene Stellen. Begebe dich wie deine Kollegen die bereits gegangen sind auf die Suche nach einer neuen Herausforderung, wenn es dir in deinem "Unternehmen" nicht gefällt, und wenn du was gefunden hast, dann Wechsel deinen Arbeitseinsatzort.

    Sich aufzuregen, weil sich nichts tut hilft nicht sondern macht dich nur unzufriedener.


    gruß

    Rabauke

  • Da stellt sich die Frage, was beschwerst du dich zu diesem Punkt, wenn du selbst nicht eine Betriebsversammlung gehalten hast?

    Wir sind uns aber schon noch einig, dass auch der BRV nicht einfach "von Gottes Gnaden" eine BetrVers einberufen kann, sondern dazu einen Beschluss des Gremiums braucht, oder?

    Neues Kräfteverhältnis 2 : 5

    Die hätte er vielleicht durchsetzen können, als er mit 4:3 gestartet ist, aber wenn man neu ist, muss man ja auch erst mal sehen, wie der Hase läuft ...


    Markus hat ihm ja auch schon an den Kopf geworfen, was er alles für (taktische) Fehler gemacht hat. Die sehe ich zwar auch, aber es hilft überhaupt nicht, sie ihm jetzt vorzuwerfen. Das kommt mir so vor, als stünden alle vor dem brennenden Haus und anstatt beim Löschen zu helfen, wird erst einmal diskutiert, wer den Herd angelassen oder den Kindern die Streichhölzer gegeben hat oder ob es nicht doch ein Kabelbrand gewesen sein könnte...


    Sinclair In einem Punkt bin ich aber ganz beim Rabauken: du solltest dir gut überlegen, ob es sich lohnt, sich hier aufzureiben, oder ob es nicht vielleicht tatsächlich intelligenter ist, sich neu zu orientieren. Das kannst aber selbstverständlich nur du entscheiden/beurteilen. Nur du kennst die genauen Umstände und die Situation vor Ort.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,


    vielen Dank für die vielen, teilweise für mich hilfreichen Anmerkungen. Selbst der Mittelteil von "Rabauke" (nomen est omen?) ist ja konstruktiv, was ich von seinem Anfang und Schlußteil nicht behaupten kann.
    Ich behaupte mal, wer nicht genügend Interna kennt kann solche Dinge nicht schreiben. Moritz hat es erfasst, es gab keine Mehrheiten und noch schlimmer: von Juni bis November gab es nur drei Sitzungen weil sich permanent genug BR-Mitglieder der Sabotage-Liste für unabkömmlich erklärt haben. Diese waren zwar von mir sauber vorbereitet (Tagesordnung, Vorlagen, Beschlußvorschläge, rechtlicher Hintergrund) aber brachten dann eben keine oder völlig weichgespülte zeitschindende Abstimmungsergnisse. (Es braucht auch niemand mehr über Ersatzmitglieder nachdenken: von insgesamt 12 Kandidaten sind nur noch 7 da. Es gibt also keine).

    Der Rest ist der besonderen Struktur geschuldet. Ich erwähnte schon, um die 100 MA an mehr als 30 Standorten. Isoliertes Arbeiten, kaum Kommunikationsmöglichkeiten. Ja, richtig wir haben eine Seite im Intranet (Veröffentlichungen bedürfen kollektiver Beschlüsse) und wir haben eine Rundmail an die Belegschaft geschrieben (unterzeichnet vom seinerzeitigen stv.BRV und mir). Folge: An beide eine Abmahnung wegen "Störung des Betriebsfriedens" (ich, vor dem BR unbescholten, habe noch zwei weitere bekommen).

    Vor dem Arbeitsgericht habe ich 2 von den 3 Willkürabmahnungen mittlerweile abgewehrt, darunter natürlich auch die wegen des "Betriebsfriedens". Dennoch, der Chef hat sein Zweck erreicht: ab diesem Moment hat es keine Verlautbarungen des BR mehr gegeben.

    Obwohl es hier eigentlich keine Rolle spielt, aber so rabaukenhaft angesprochen wurde. Ja wenn's einem nicht passt, geht man halt weg. Großes Kino! Vielleicht wäre da die Frage nach dem Alter fair gewesen - ich gehe auf die 60 zu. Und suche auch nur mit Bedacht - denn so eine Rammelbude brauche ich nicht noch ein zweites Mal.

    So, noch ein Wort zu verdi. Bezüglich meines persönlichen Rechtsschutzes kann ich micht nicht beschweren, dass läuft tippitoppi. Den Rest kann man vergessen. Wir sind momentan nur noch etwa 3 Mitglieder, und fliegen damit unter dem radar. Das interessiert verdi nicht!


    Die taktischen Fehler die Markus mir vorwirft kann ich nur begrenzt nachvollziehen. Ich wusste nicht, das hier so schnell geurteilt wird. Nochmal, obwohl ich es geschrieben hatte. Es war klar, dass es keinen neuen BRV mehr geben würde. Das war nicht das Bestreben als ich weggeputscht werden sollte. Und selbstverständlich stand auf der nächsten Sitzung nach meinem Rücktritt die Neuwahl eines BRV auf der TO. Aber es hat sich niemand gemeldet.


    Danke an Moritz für seine Ausführungen. Eine Anmerkung nur: Ich habe nicht von Neuwahl gesprochen. Ich wollte hier nur wissen ob ich diesen BR irgendwie zum Arbeiten zwingen kann bzw. überhaupt erst einmal zu einer Sitzung, der ersten seit Mai 2019.


    An Markus73ED: Nein mehr Kandidaten haben wir nicht gefunden. Und davon sind uns dann 50% bis Ende 2018 anhanden gekommen, u.a mein sehr aktiver stv. BRV (20 Jahre im Betrieb). Ihn hat die Willkührabmahnung erschüttert. Er ist krank ausgetreten.
    "Entweder sucht man sich einen Gegenkandidaten" (entfällt, siehe oben) oder "man bleibt, damit man noch was regeln kann". Was denn? Was kann ein BRV in einem Kollektivorgan denn (alleine oder mit seinem 2ten verdi-Mann) regeln? Was? Das wäre jetzt genau meine Frage.


    Danke an Paragraphenreiter für die rechtlichen Ausführungen.

    VG
    Sinclair


    NB: Um Ihnen/euch nur noch mal ein Hauch von Einblick für das Klima in diesem verkorksten Laden zu geben. Der BR nimmt ohne Widerspruch alle internen (häufig nach §87 mitbestimmungspflichtigen) Regelungen hin. Um nur eine dieser absurden Anschauungen rauszugreifen:


    Wer morgens zur Arbeit kommt, sich aber im Laufe des Tages au meldet, baut nach Ansicht des AG's Minusstunden auf. Natürlich ist die Position rechtlich nicht haltbar, aber wenn niemand aufbegehrt.... Einer werdenden Mutter wurde aktuell angeordnet für die anstehenden Vorsorgeuntersuchungen jeweils einen halben Tag frei zu nehmen. So, ich habe fertig ...

  • Ich habe nicht von Neuwahl gesprochen. Ich wollte hier nur wissen ob ich diesen BR irgendwie zum Arbeiten zwingen kann bzw. überhaupt erst einmal zu einer Sitzung, der ersten seit Mai 2019.

    Schon klar, aber da ist ja das Problem. § 29 (3) BetrVG sagt klar, dass der BRV eine Sitzung anzuberaumen hat, wenn es von einem Viertel der BRM gewünscht wird. 2 Mann sind mehr als ein Viertel von 7, das würde schon passen. Der Punkt ist nur: wenn der (agierende) Stellv. es einfach nicht tut, bleibt einfach nur die Möglichkeit richtig aufzuräumen. Und das heißt eben: weg damit und neu.


    Allerdings könntest du mit solchen Anträgen gem. o.g. § natürlich Munition sammeln, damit auch der dümmste Arbeitsrichter (ok, ich habe tatsächlich noch keinen dummen Richter getroffen) merkt und sieht, wes Geistes Kind die Kollegen sind.


    or dem Arbeitsgericht habe ich 2 von den 3 Willkürabmahnungen mittlerweile abgewehrt, darunter natürlich auch die wegen des "Betriebsfriedens".

    Das hätte der Aufschlag sein können, um dem AG wegen Behinderung der BR-Arbeit vor's Schienbein zu treten... Du bist zu friedfertig ;)


    Um Ihnen/euch

    Sire, es steht Euch frei, auch uns zu "Euchen" ;) Ansonsten pflegen wir hier das unter Betriebsräten übliche kollegiale Du.


    Wer morgens zur Arbeit kommt, sich aber im Laufe des Tages au meldet, baut nach Ansicht des AG's Minusstunden auf.

    Wenn Du doch schreibst, dass der Part Rechtsschutzversicherung funktioniert, dann sollte es doch möglich sein, dem AG diesen Zahn zu ziehen... (Gleichwohl verstehe ich durchaus, dass Du nur noch sehr gering gewillt bist, Dich hier zu exponieren...)


    Einer werdenden Mutter wurde aktuell angeordnet für die anstehenden Vorsorgeuntersuchungen jeweils einen halben Tag frei zu nehmen.

    Sozial ist das ganz sicher nicht, aber je nach Arbeitszeitmodel könnte das sogar (bis auf die halben Tage Urlaub) juristisch korrekt sein. (Gibt es keine Kernarbeitszeit braucht der AG die Zeit beim Arzt nicht zu vergüten, sondern kann verlangen, dass sie nachgeholt wird.)


    Ein wenig neide ich Dir, dass Du schon viel näher an der Rente bist als ich. Aber um Deinen AG beneide ich Dich ganz sicher nicht!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Die taktischen Fehler die Markus mir vorwirft kann ich nur begrenzt nachvollziehen. Ich wusste nicht, das hier so schnell geurteilt wird. Nochmal, obwohl ich es geschrieben hatte. Es war klar, dass es keinen neuen BRV mehr geben würde. Das war nicht das Bestreben als ich weggeputscht werden sollte

    Hallo Sinclair,


    auch wenn ich mir am Anfang tatsächlich gedacht habe: "Oh mein Gott, wie kann man nur...."


    Das was ich geschrieben habe, ist mit Sicherheit nicht als Vorwurf gedacht gewesen, sondern war mehr an andere Leser des Forums gerichtet, damit sie diese Punkte bedenken, falls sie auch mal in deine Lage kommen. Das es immer wieder Gründe dafür gibt, nicht so zu handeln, ist mir schon auch klar. So mancher BRV macht dass ja auch so, weil er sagt, dass seine Gesundheit wichtiger ist, als das BRV-Amt. Auch das wäre dann in Ordnung, dass sind immer Entscheidungen, die die betroffenen Personen selbst treffen müssen.


    Sollte das als Vorwurf an dich rübergekommen sein, tut es mir leid, so war es nicht gedacht.



    (Es braucht auch niemand mehr über Ersatzmitglieder nachdenken: von insgesamt 12 Kandidaten sind nur noch 7 da. Es gibt also keine).

    Wenn du dir vorstellen kannst, dass man mit einer Neuwahl mehr erreicht, wäre das vielleicht auch noch ein Ansatzpunkt. Wenn noch ein BRm ausscheidet, muss neu gewählt werden. Allerdings ist dann die Frage, ob der verbleibende BR dann auch tatsächlich Neuwahlen einleitet, was er müsste.

    Das kommt mir so vor, als stünden alle vor dem brennenden Haus und anstatt beim Löschen zu helfen, wird erst einmal diskutiert, wer den Herd angelassen oder den Kindern die Streichhölzer gegeben hat oder ob es nicht doch ein Kabelbrand gewesen sein könnte

    Moritz, ich habe aber nicht nur vor dem brennenden Haus gestanden und diskutiert, sondern ich hab auch die Kübel mit Wasser gereicht zum löschen.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Moin,

    ja, Markus mit dieser Erklärung kann ich das gut akzeptieren. Vielen Dank.


    Ich denke, dass es für Aussenstehende auch schwer ist nachzuvollziehen auf welche Strategien manche AG so kommen.


    Ich habe verdi übrigens mehrfach konkret nach der Behinderung der BR-Arbeit gefragt, als Beleg umfangreiche schriftliche Einlassungen des AG vorgelegt. Die meinten aber mehrfach, dass die SCHWELLE zur Behinderung wohl nicht überschritten wäre. Da ich aber keinen Beschluß bekommen konnte, dass ganze rechtlich von einem Fachanwalt prüfen zu lassen, musste ich mich damit abfinden. Ich bin selbst ja kein Volljurist und dort auch noch spezialisiert auf Koll. Arbeitsrecht.


    Unser erster BR-Vorsitzender 2010 hat auch versucht durchzuziehen, hat den AG wegen Behinderung angezeigt. Daraus sind andere lustige Konsequenzen erwachsen (ich kann hier nicht ins Detail gehen) aber wegen der Behinderung ist nichts passiert. Wenn ich das richtig recherchiert habe, scheitern die Behinderungsvorwürfe meistens vor Gericht. Und die in Aussicht gestellten Strafen werden erst Recht nicht fällig.


    Der 1. BR war übrigens wie der Dritte. Der BRV hat irgendwann hingeschmissen/hinschmeissen müssen, der BR war wie dieser von innen heraus faulig. Der 2. war anders. Da wurde der BRV zweimal angeschrien und hat danach Platz genommen an Stellen wo die Sonne nicht hinscheint.

    Soviel aus dem real existierenden prallen Leben.


    VG

    S.