BV - Verhandlungen

  • Hallo zusammen,

    ich bin seit ca. 2 Jahren im Betriebsrat. Momentan stehen wir in Verhandlungen zu einer Betriebsvereinbarung.
    Es stehen ca. 10 Punkte zur Diskussion. Beim vorletzten Treffen hatten wir uns mündlich zu einem dieser Punkte mit unserem Arbg. verständigt gehabt. Dacht ich und 2 weitere anwesende BR Mitglieder zumindest.
    Nun bat unser Arbg. letzte Woche kurzfristig um einen weiteren Termin zu genau diesem Punkt. Ich war völlig verwirrt. Wozu? War doch geklärt.
    Aber bei diesem Termin teilte uns der Arbg. mit, er hätte da noch Gesprächsbedarf. Wir haben ihn darauf hingewiesen, dass für uns das Thema durch wäre und wir uns ja bereits geeinigt hätten. Doch er meinte nur, dass wir da wohl eine unterschiedliche Wahrnehmung hätten.

    Das hat mich total aufgeregt und wenn ich nur daran denke, geht mein Puls schon wieder bzw. immer noch in die Höhe.
    Wie geht ihr mit solchen Gesprächen um? Was gibt es für Möglichkeiten nach solchen Erlebnissen wieder ruhig schlafen zu können?

    Danke für eurer Feedback!

    Gruß Thomas

  • Solange die BV noch nicht unterschrieben ist, kann der Arbeitgeber und natürlich auch der BR seine Ansichten grundsätzlich ändern. Frei nach dem Motto: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern"


    Dies ist zwar nicht der optimale Gesprächsstil, kommt aber immer wieder vor.


    Sollte sich herausstellen, dass der Sinneswandel nach einem Gespräch mit einem Vorgesetzten (z.B. Konzernspitze) war, kann man natürlich auch mal fragen, ob man nicht lieber mit dem Schmied redet und nicht mit dem Schmidel.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Hallo Locke,


    aus diesem Grund nehme ich zu Verhandlungen immer einen Protokollführer mit. Dann wird das Protokoll von beiden Seiten gegengezeichnet, und man sieht, wie der Einigungsstand war.

    Das jede Seite jedoch nachdem Sie in den Gesprächen beim jeweiligen Gremium ggf. zu neuen Erkenntnissen kommt und somit die als geeinigt gedachten Punkte doch nicht geeinigt sind kann passieren.


    Wenn uns das ganze zu anstrengend wird beschießen wir uns rechtlichen Bestand zu dieser BV zu holen und gehen zu den folgenden Terminen nur mit unserem Anwalt. Sollte das ganze dann auch nicht reichen rufen wir die Einigungsstelle an (in 28 Jahren BR-Tätigkeit 4 mal vorgekommen).


    Daher locker sehen, ihr seit vom BR aus zum verhandeln da, abschließen kann nur der BR und wenn ihr nun Änderungen an punkte seht, die euch bis jetzt nicht so "wichtig" waren aber den Arbetigeber stressen könnten, macht du den Punkten änderungswünsche bekannt, die ihr vorher im BR besprochen hat, weil es ist ja nichts unterschrieben und solange ist doch alles offen.


    gruß

    Rabauke

  • Sollte sich herausstellen, dass der Sinneswandel nach einem Gespräch mit einem Vorgesetzten (z.B. Konzernspitze) war, kann man natürlich auch mal fragen, ob man nicht lieber mit dem Schmied redet und nicht mit dem Schmidel.


    LG

    Markus

    Hallo Markus, aber sowas kommt ja auch schon mal beim BR vor. Das Verhandlungsergebnis einer BV wird auf der BR-Sitzung vorgestellt und dann kommen wie aus dem nichts plötzlich ein paar Anregungen und Klärungsfragen und siehe da, so wie geschrieben war es nicht gewollt und eine Nachverhandlung ist erforderlich. Daher.... mögliche Sinneswandel habe ich schon auf beiden Seiten festgestellt. Entscheident ist doch vielmehr, wie lange läuft schon der Prozess, was ist das Ziel bis wann soll er abgeschlossen sein (aus Sicht des BR aus Sicht des AG) und benötigt man Unterstützung oder nicht.

  • Was gibt es für Möglichkeiten nach solchen Erlebnissen wieder ruhig schlafen zu können?

    Wenn das wirklich dein Problem ist, dann lässt du die Dinge zu sehr an dich ran.


    Sieh es mal so: jede BV ist ein Gesamtpaket, ein Geben und Nehmen. d.h. wenn man auf der einen Seite etwas gibt, will man auf der anderen Seite etwas haben. (Das geht beiden Seiten so!)

    Wenn die Dinge aber in verschiedenen Sitzungen besprochen werden, dann bleibt das nicht aus, dass man auch alte Baustellen noch einmal wieder öffnen muss.


    Das hat mich total aufgeregt und wenn ich nur daran denke, geht mein Puls schon wieder bzw. immer noch in die Höhe.

    Umso mehr gilt: Ruhe bewahren, tief durchatmen. (Sorry, so klischeehaft das klingt, es funktioniert! ;) )


    Und anstatt das Rumpelstilzchen zu geben (ohne dir etwas unterstellen zu wollen), ruhig nachfragen: wir hatten uns doch auf dieses oder jenes angenähert. Was ist falsch daran?


    An der Antwort wirst du dann sehen, ob der AG wirklich noch ein neues Problem gefunden hat (manchmal fallen einem so Dinge eben erst im Nachhinein ein, geht mir/uns ganz genauso) oder ob er einfach nur das Gefühl hat, er hätte zu sehr nachgegeben. Davon abhängig kann man jetzt eine Lösung suchen oder einfach platt zurückgeben: wir fanden und finden das gut.


    Aber es ändert alles nichts daran, am Ende des Tages (meint die Verhandlungen insgesamt) müssen beide Seiten alles unterschreiben. Sprich, ihr könnt euch zwar stur stellen, aber das alleine zwingt den AG ja nicht dazu, seine Meinung/Einstellung zu ändern.


    Und manchmal ist es auch wirklich hilfreich, wenn man den Punkt einfach mal stehen lässt. Frei nach der Devise: ok, haben wir zur Kenntnis genommen. Lassen sie uns später drauf zurückkommen. Wo sind wir uns denn schon einig...


    In meinen mittlerweile über 20 Jahren BR-Arbeit hatte ich auch schon einen Personaler vor mir, der so etwas ganz bewusst und absichtlich gemacht hat. Und der Kollege, der damals BRV war, ist genau wie du (also von deiner Beschreibung her) aus der Haut gefahren und bald ausgeflippt. Mit dem Ergebnis, dass der BRV nicht mehr vernünftig reden/denken konnte, dicht vor beleidigend wurde, so dass der Personaler das Gespräch beendet hat. "Mit ihnen kann man ja nicht reden. So hat das ja keinen Zweck." Und schon wurde das Thema wieder auf die lange Bank geschoben.


    Nachdem ich das verstanden hatte, hat es noch genau zwei Gespräche gedauert, bis er verstanden hatte, dass das bei mir nicht zieht. (Jedenfalls dann nicht, wenn ich das erkenne und/oder vorher weiß!)


    Es ist nur allzu menschlich, dass man mal aus der Haut fährt, oder einem sein Gegenüber über die Hutschnur geht. Ruhe bewahren und sachlich bleiben hilft da ungemein.


    Von Erich Kästner stammen die folgenden vier Zeilen:


    Mein lieber Freund, denk stets daran,
    der Ärger ist ein blödes Vieh.
    Er fängt am falschen Ende an,
    er frisst nur dich - den Anlass nie!


    Es ist deine Gesundheit, dein Blutdruck, dein Schlaf... lass es nicht zu, sonst wirst du als BR nicht alt!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Wie geht ihr mit solchen Gesprächen um? Was gibt es für Möglichkeiten nach solchen Erlebnissen wieder ruhig schlafen zu können?

    Keine Arbeit mit nach Hause nehmen! Auch (oder vor allem) keine BR-Arbeit. Der AG und die BV haben in Deinem Bett nix verloren.

    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“

    Hanlons Rasiermesser

  • Kann dem §Reiter nur Recht geben! :) ohne Bilder im Kopf :P bis eine BV nicht unterschrieben ist kann frei verhandelt werden. Auch einem AG kann mal klar werden, dass er schlecht verhandelt hat und noch Änderungsbedarf sieht. Sind auch nur Menschen :)

  • Mein lieber Freund, denk stets daran,
    der Ärger ist ein blödes Vieh.
    Er fängt am falschen Ende an,
    er frisst nur dich - den Anlass nie!

    Danke das erhellt den verregneten Tag

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • zum Thema:


    Wir verhandeln momentan auch. Die BV wurde durch uns gekündigt und seitens des AG ist dann ein Punkt, den wir gar nicht ändern wollten gestrichen worden. Das haben wir u.a. bei Betriebsversammlungen auch kundgetan. Seither geht einer der Chefs in jeder Besprechung die wir bzgl. der BVen haben unter die Decke, weil er es so sieht, dass er das nie gesagt hat was auch stimmt aber seine Kollegen. Das ist schon fast ein running gag, unser Personaler grinst sich dabei immer einen...

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für euer Feedback.
    Mittlerweile hab ich mich auch wieder beruhigt. Normalerweise bringt mich keiner so schnell aus der Fassung, aber das traf mich doch etwas unvorbereitet.
    Ich muss mich wohl noch dran gewöhnen, dass solche Verhandlungen zäh sind. Solches "Arbeiten" liegt mir nicht besonders. Ich bin es nicht gewöhnt für die Mülltonne zu arbeiten.

    Wir haben jetzt echt schon einige Runde mit dem Arbg. gedreht und das war der einzige von vllt. 10 oder 12 Punkten, der meiner Meinung nach durch ist und bevor das Protokoll der letzten Sitzung fertig war, kommt der mit so...

    Gewöhnt man sich jemals an sowas?

    Ich hab langsam das Gefühl, die wollen uns nur hinhalten. Nach dem Motto: "Noch 2 Jahre, dann sitzen (altersbedingt) Neue im BR und dann schaun wir mal weiter."

  • Ich hab langsam das Gefühl, die wollen uns nur hinhalten. Nach dem Motto: "Noch 2 Jahre, dann sitzen (altersbedingt) Neue im BR und dann schaun wir mal weiter."

    Guten Morgen Locke,


    wenn du da nicht der Einzige bist, der dieses Gefühl hat, dann besteht auch die Möglichkeit als Betriebsrat ein bisschen auf die Tube zu drücken.


    Wenn der Betriebsrat als Gremium sagt, eine Verhandlung bringt nichts mehr, dies einfach beschließen und die Einigungsstelle anrufen. Beziehungsweise als Verhandlungsgremium bekannt geben, dass man den Eindruck hat, dass von Arbeitgeberseite kein Wille zur Einigung da ist und dass man, wenn das so weitergeht, die Verhandlungen als gescheitert erklären wird und dem Betriebsrat vorschlagen wird, die Einigungsstelle anzurufen.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand