bei bewerbung lügen

  • Hallo an Alle,
    ich bin ja ganz neu in diesem Forum. Ich hab mal eine grundsätzliche Frage: wenn in einem Bewerbungsgespräch die Frage nach Krankheiten gestellt wird? Wann darf ich lügen? Hat der AG chancen die Wahrheit (logisch, durch geschicktes fragen, aber wie noch) rauszufinden. Wie siehts mit HIV oder TBC, Salmonellen Dauerausscheider im Gastgewerbe und dem medizinischen Bereich aus????
    Danke für die promte Antwort.

    Stimmt es, dass bei der Bundeswehr regelmässige Reihenuntersuchungen nach Drogenrückständen gemacht werden. Zustimmung im Dienstvertrag??

    Danke für die Info.

  • Rein theoretisch kann man alle Fragen stellen, die interessieren. Die Bewerber müssen hierauf auch wahrheitsgemäß antworten. Allerdings gibt es Fragen, die nicht beantwortet werden müssen oder auf die der Bewerber auch wahrheitswidrig antworten darf.

    1.Zulässige Fragen sind:

    *Ergänzende Fragen zum Lebenslauf, wie Familienstand, Kinder, Staatsangehörigkeit usw.
    *Gesundheitszustand, soweit für die Tätigkeit bedeutsam,
    *ob Rehabilitationsmaßnahmen (Kuren) beantragt wurden,
    *ob chirurgische Eingriffe erforderlich sind,
    *ob Krankheiten mit Ansteckungsgefahr bestehen,
    *ob Schwerbehinderteneigenschaft besteht (Prozentsatz),
    *ob Vorstrafen bestehen, die im Zusammenhang mit der zu besetzenden Stelle stehen (beispielsweise befristeter Führerscheinentzug bei einem Außendienstmitarbeiter)
    *ob eine Sektenmitgliedschaft besteht (z.B. Scientology)

    2.Eingeschränkt zulässig sind Fragen zu:

    *vorliegenden Lohn- und Gehaltspfändungen
    *den Vermögensverhältnissen
    *einer Schwangerschaft (allerdings nur, falls die Tätigkeit negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft hätte)

    3.Unzulässige Fragen sind unter anderem solche zur:

    *Mitgliedschaft in Parteien (es sei denn, der Arbeitgeber ist eine Partei)
    *Religion (es sei denn, der Arbeitgeber ist eine kirchliche Einrichtung)
    *Mitgliedschaft in Gewerkschaften (es sei denn, der Arbeitgeber ist eine Gewerkschaft oder gewerkschaftliche Einrichtung)
    *Schwangerschaft (Ausnahme siehe oben)
    *allgemeine Krankheiten (Ausnahme siehe oben)

  • Zitat von Werner :


    Rein theoretisch kann man alle Fragen stellen, die interessieren. Die Bewerber müssen hierauf auch wahrheitsgemäß antworten. Allerdings gibt es Fragen, die nicht beantwortet werden müssen oder auf die der Bewerber auch wahrheitswidrig antworten darf.

    Eigentlich ist es genau umgekehrt: Es gibt Dinge nach denen der Arbeitgeber nicht fragen darf, stellt er solche Fragen trotzdem, so braucht man sie nicht wahrheitsgemäß zu beantworten.


    Zitat von Werner :


    1.Zulässige Fragen sind:

    ...
    *ob Vorstrafen bestehen, die im Zusammenhang mit der zu besetzenden Stelle stehen (beispielsweise befristeter Führerscheinentzug bei einem Außendienstmitarbeiter)

    Wenn überhaupt sind meines Wissens nur solche Vorstrafen offenbarungspflichtig, die auch im normalen Führungszeugnis aufgeführt werden, also über 90 Tagessätzen lagen. Ein Fahrverbot zählt hierzu sicherlich nicht. Ein Führerscheinentzug ist in DE meines Wissens immer unbefristet und auch hier wird das Ende der Sperrfrist nur im behördlichen Führungszeugnis, aber nicht im normalen aufgeführt.


    Zitat von Werner :


    2.Eingeschränkt zulässig sind Fragen zu:

    ...
    *einer Schwangerschaft (allerdings nur, falls die Tätigkeit negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft hätte)

    Ist in jedem Falle unzulässig wegen indirekter Diskriminierung.

  • Timo,
    zu Deiner ersten Teilantwort???????????????????
    Wieso bestätigst Du meine Aussage so als wäre sie falsch???
    Bei dem Führerscheinentzug würde ich mich evtl. von Deiner Argumentation überzeugen lassen.
    Wobei ich immer noch davon ausgehe, das wenn eine Vorstrafe relevant für die Arbeitsausführung ist (zB. Betrug oder Unterschlagung bei einem Bewerber als Bankangestellter, Kassenführer oder sowas), ist die Frage wahrheitsgemäß zu beantworten!
    Bei der Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft gehe ich auf keinen Fall mit Dir konform!
    Wenn die Ausführung der Arbeit die Gesundheit der Mutter oder des ungeborenen Lebens beieinträchtigen kann ist die Frage zulässig!

  • Zitat von Werner :


    Timo,
    zu Deiner ersten Teilantwort???????????????????
    Wieso bestätigst Du meine Aussage so als wäre sie falsch???

    Weil sie zwar vom Ergebnis her richtig war, aber von der Argumentation her falsch.


    Zitat von Werner :


    Bei dem Führerscheinentzug würde ich mich evtl. von Deiner Argumentation überzeugen lassen.
    Wobei ich immer noch davon ausgehe, das wenn eine Vorstrafe relevant für die Arbeitsausführung ist (zB. Betrug oder Unterschlagung bei einem Bewerber als Bankangestellter, Kassenführer oder sowas), ist die Frage wahrheitsgemäß zu beantworten!

    Zitat von http://www.bewerbungsmappen.de/links/Arbeitsrecht/Arbeitsrecht_12/arbeitsrecht_12.html :

    Die Frage nach Vorstrafen ist nur zulässig, soweit die Vorstrafen die vertraglich geschuldete Tätigkeit betreffen können. Sie ist außerdem nur zulässig bezüglich der Delikte, die noch nicht nach §§ 49, 51 Bundeszentralregistergesetz getilgt sind. Im Register getilgte Strafen müssen nicht genannt werden.


    Zitat von http://www.internetratgeber-recht.de/Arbeitsrecht/frameset.htm?http://www.internetratgeber-recht.de/Arbeitsrecht/Bewerbung/bwa1.htm :


    e) Frage nach Vorstrafen

    Es ist entschieden, dass der Arbeitnehmer nur über solche Vorstrafen Auskunft geben muss, die sich am Arbeitsplatz wiederholen könnten. Im übrigen hat der Arbeitgeber kein Fragerecht.
    Auch einschlägige Vorstrafen müssen aber nicht angegeben werden, wenn die Strafe aus dem Bundeszentralregister getilgt ist. Ebenso darf nicht nach verjährten Straftaten gefragt werden oder wenn die Straftat wegen einer Amnestie nicht mehr verfolgt werden kann.

    Es ist nun mal der Sinn von Strafen und dem Bundeszentralregister, sowie der Auszüge dass ein Vergehen nach einer bestimmten Zeit gesühnt ist.

    Zitat von Werner :


    Bei der Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft gehe ich auf keinen Fall mit Dir konform!
    Wenn die Ausführung der Arbeit die Gesundheit der Mutter oder des ungeborenen Lebens beieinträchtigen kann ist die Frage zulässig!

    Anderer Aufassung ist das Bundesarbeitsgericht: Urteil des BAG vom 06.02.2003 (2 AZR 621/01).

  • Meines Wissens muss die Schwerbehinderteneigenschaft zwar genannt werden, aber erst NACH dem Bewerbungsgespraech und dem Vertragsschluss,
    wenn die Behinderung bei dem Job nicht stören wird.
    Ist das richtig?
    Ansonsten könnte es ja leicht zu einer (negativen) Vorauswahl kommen,
    insbesondere wenn der AG die Quote schon erfüllt hat.

  • Hallo,

    Werner: Da gehe ich in vielen Punkten gar nicht d’accord. Bezüglich der Zuläsigkeit von Fragen bzw. der Möglichkeit wahrheitswidriger Antworten gehe ich mit Timo. Seine Argumentation ist akkurat. Deine Liste macht mich übrigens teils schaudern... Fragen nach einer Sektenmitgliedschaft sollen zulässig sein? Generell auch die Frage, ob ansteckende Krankheiten bestehen? Fragen nach einer Schwangerschaft? Generelle Fragen nach bestehenden Lohnpfändungen? Usw. usf. - Werner, nie und nimmer!

    Zu dem von Timo genannten BAG-Urteil: Die Frage der Beklagten nach der Schwangerschaft war hier unzulässig, weil sie eine nach § 611 a BGB verbotene Diskriminierung wegen des Geschlechts enthielt. In Fortentwicklung seiner bisherigen Rechtsprechung und in Übereinstimmung mit dem Europäischen Gerichtshof sieht das BAG in der Frage nach der Schwangerschaft auch dann eine unzulässige Diskriminierung, wenn eine unbefristet eingestellte Arbeitnehmerin die vereinbarte Tätigkeit während der Schwangerschaft wegen eines mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbotes zunächst nicht ausüben kann. Das Beschäftigungshindernis ist in diesen Fällen vorübergehender Natur und führt nicht zu einer dauerhaften Störung des Vertragsverhältnisses. Es kam im Streitfall deshalb nicht darauf an, ob überhaupt ein mutterschutzrechtliches Beschäftigungsverbot eingegriffen hätte. Wegen des AGG ist das inzwischen sogar noch "verbotener".

    Karlo: Die Schwerbehinderteneigenschaft muß auf Frage wahrheitsgemäß genannt werden, da beißt die Maus keinen Faden ab.

    Grüsse Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Team-ifb

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