Betriebsbedingte Kündigung

  • Moin Moin,

    bei uns ist gestern eine betriebsbedingte Kündigung eingegangen.
    Gekündigt werden soll unsere ehemalige Personalchefin.

    Im Prinzip hätte ich da überhaupt nichts gegen, weil sich die Zusammenarbeit mit Ihr immer wieder als schwierig bis unmöglich gestaltete. Da wurden wichtige Anfragen monatelang liegengelassen, Absprachen nicht eingehalten und das Verhalten von Ihr hatte eine dermassen arrogante Art, das man sich schon so manches Mal an seine gute Kinderstube erinnern musste um nicht igendetwas unüberlegtes zu machen. Auch die Geschäftführung hat im Laufe der Zeit immer mehr Zweifel an der Arbeitsweise der guten Frau.

    Jetzt hat vor 4 Monaten ein neuer Personalchef bei uns angefangen, und sie wurde quasi rasiert, degradiert, oder wie man das auch immer nennen mag. Die Arbeit mit dem Neuen gestaltet sich bis jetzt auch wesentlich harmonischer und entspannter.

    Soweit so gut. Eigentlich eine klare Entscheidung, wenn nicht der fade Beigeschmack da wäre, das stumpfe Besen von der GF einfach so abserviert würden. Die Frage die ich mir stelle, ist was aus Ihr werden soll. Sie ist immerhin schon 54 und würde sicherlich so leicht keine neue Arbeit mehr finden. Die GF hat Ihr zwar eine Abfindung angeboten, aber dennoch ist sie wohl mit den Nerven am Ende.

    Ich bin auch mal gespannt wie meine BR-Kollegen in der nächsten Sitzung in die Diskussion gehen, wäre aber für einige Denkanstöße von Euch sehr dankbar.

    THX

    PS: Bin selbst kein BR-Vorsitzender, aber ich hoffe die alten Hasen können mir da besser helfen !!!

  • Moin Werner.

    Tja, die zur Sozialauswahl stehende Kollegin hat angeblich so herausragende und unverzichtbare Qualifikationen das es "Zitat: selbst bei wohlwollender Betrachtung unmöglich ist, für die ältere Kollegin diese in Fortbildungen zu erlangen. Von daher käme eine Sozialauswahl nicht in Frage"

    Allein das ist schon der Hammer, wo sie doch 7 Jahre die direkte Vorgesetzte im selben Büro war. Alles in allem sehr merkwürdig.

    Ist denn eine Sozialauswahl auch in so einem Fall zwingend erforderlich ? Und was sollte man als BR machen ? Ablehnen, Frist verstreichen lassen ?

    Ist echt nicht einfach, weil diese Frau aufgrund Ihres jahrelangen negativen Verhaltens, gegenüber der kompletten Belegschaft, eh überall unten durch ist. Aber wir als BR müssen halt solche Sachen ausblenden und uns an das Recht halten.

    THX

  • Hallo Superburschi,

    wenn es sich um die Personalchefin handelt, dann liegt bei mir der Verdacht nahe, dass es sich um eine LA handelt.
    Warum werdet Ihr dann angehört?

    Meine Empfehlung: Nur wenn Ihr echte Widerspruchsgründe habt, dann solltet Ihr widersprechen; ansonsten die Frist verstreichen lassen.

    Gruß/Günther

  • Hallo,

    ach ja, noch was: schiebt man hier nicht betriebsbedingt vor, um einer anderen Kündigung (personenbedingt/verhaltensbedingt) aus dem Weg zu gehen, weil hier die Voraussetzungen nicht gegeben sind?

    Und: wenn Ihr widersprechen wollt, dann möglichst mit einem Rechtsbeistand, damit der Widerspruch auch wasserdicht ist.

    Gruß/Günther

  • HAllo Superburschi
    Ist einem Arbeitnehmer aus dringenden betrieblichen Erfordernissen im Sinne von § 1 Abs. 2 KSchG gekündigt worden, so ist die Kündigung trotzdem sozial ungerechtfertigt, wenn der Arbeitgeber bei der Auswahl des Arbeitnehmers die Dauer der Betriebszugehörigkeit , das Lebensalter , die Unterhaltspflichten und die Schwerbehinderung des Arbeitnehmers nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat ( § 1 Abs. 3 S. 1, 1. Halbs. KSchG in der Fassung des Gesetzes zu Reformen am Arbeitsmarkt vom 24.12.2003 - BGBl. I 2003 S. 3002 ff.). Der Gesetzgeber hat mit diesen 4 Punkten die bisherigen " sozialen Gesichtspunkte " konkretisiert und auf vier verlässliche und einfach festzustellende Positionen beschränkt.

  • Hallo Zusammen,
    ist eine Personalchefin nicht bereits per Befugnis eine Leitende Angestellte?
    Bislang habe ich das jedenfalls nie anders erlebt, denn die Personalchefs waren immer befugt, selbständig einzustellen, zu kündigen, und sind wesentlich bei der strategischen Ausrichtung der Personalpolitik beteiligt. Von den beteiligten (Schwester- oder Tochter-)Unternehmen gab es dann auch immer Verträge, wonach die Personalabteilung namentlich und in Vertretung des Unternehmens auftreten, ohne dass es dafür weiterer Bevollmächtigungen bedarf. Im jetzigen Unternehmen nennt sich das Geschäftsbesorgungsvertrag.

    Aus diesen Gründen ist der oberste Personalchef auf jeden Fall, häufig auch die Garde darunter, Leitender Angestellter.

    Und wenn dem so ist, dann ist der BR sowieso raus aus der Nummer.

    Grüße
    Gertrüde

  • Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Der BR ist zu einer betriebsbedingten Kündigung mit fehlender/mangelhafter Sozialauswahl angehört worden. Völlig ungeachtet des/der Betroffenen kann ein BR eine solche Kündigung nicht unwidersprochen lassen. (Und wenn es nur ist um sich nicht bei der nächsten sagen zu lassen: damals haben sie ja auch nicht, wieso jetzt?)

    Ob zu der Kündigung überhaupt angehört werden musste oder nicht ist doch völlig unerheblich. Der AG hat es getan, also bekommt er pflichtschuldigst seinen Widerspruch. Ich bin sicher, spätestens dann wird ihm wieder einfallen, dass es hier ja um einen Leitenden ging und die Anhörung doch nur versehentlich / informell erfolgt ist. Ist doch nicht das Problem des BR. Und einen Widerspruch wegen fehlender Sozialauswahl ist recht kurz geschrieben...

    Und kommt mir bitte nicht mit, ja, aber der muss ja wasserdicht sein, wenn es zum Verfahren kommt. Dazu wird es nie kommen! Und selbst wenn. Hier geht es nur darum ein Signal zu setzen!

    Gruß

    Moritz

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo!

    Nein, eine Personalchefin ist NICHT automatisch LA. Noch dazu handelt es sich hier um eine EHEMALIGE Personalchefin. Ich wpürde sie als normale AN behandeln, noch dazu, wo der AG dies offensichtlich auch so sieht 8sonst hätte er nicht angehört).

    Ich würde als BR ohngeacht der vorhandenen Animositäten bzgl. der Kollegin entscheiden. Es handelt sich um eine betriebsbedingte Kündigung, da sollte das aussen vor sein.

    Ich würde als BR erst einmal feststellen, dass die Anhörung nicht ausreichend war, weil der AG schon genau darlegen muß, warum sie Qualifikationen plötzlich nicht mehr haben soll bzw. sie sie nicht durch Schulungen erlangen kann. Pauschalaussagen reichen da nicht.

    Zum Zweiten würde ich Widerspruch einlegen wegen mangelnder Sozialauswahl. Es kann doch nicht sein, dass sie nur mit 1 Kollegin vergleichbar ist? Und wenn doch, dann ist die begründung doch hanebüchen...

    Grüsse Winfried

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.