Ausdruck von Stundenzetteln

  • Hallo zusammen,

    ich habe folgende Situation:

    In unserer Firma erhalten wir monatlich eine Auflistung der geleisteten Soll/Ist-Stunden und des Stundensaldos. Nun habe ich im Gesamtsaldo eine Abweichung zu meinen eigenen Aufzeichnungen festgestellt und wollte vom Personalbüro die Stundenzettel (mit genauer Auflistung der Tagesstunden) für dieses Jahr per Email anfordern. Alles kein Problem, diese Aufstellung ist ja verfügbar... wurde aber von Personalbüro mit Verweis auf eine Anordnung vom Chef abgelehnt. Seiner Ansicht nach, kann ich gern jederzeit Einsicht in mein Stundenkonto nehmen, sofern ich das direkt in unserer Firmenzentrale im Personalbüro mache (die fast 60km entfernt ist). Schriftlich rausgeben will er nichts.

    Ich weiss, dass ich nach § 83 (1) BetrVG ein Recht auf Einsicht in meine Personalakte habe und damit auch in die erfassten Arbeitszeiten. Geht das auch so weit, dass ich die Ausdrucke einfordern kann, oder ist mein Chef hier tatsächlich im Recht?


    Mfg Michael

  • Wenn der AG Aufzeichnungen zur ArbZ macht ist er natürlich auch verpflichtet Dir diese zu erklären.

    Was sagt denn Eurer BR dazu? Was die BV "Arbeitzeit"? Wie werden die Zeiten denn ermittelt - Zeiterfassungssystem? oder Auswertung der Einlogzeiten am PC / Stechuhr oder oder? werden Zeiten gerundet? Umrüstzeiten / Waschzeiten?

    Letzlich kannst Du das rescherieren oder schreibst HR das du nicht auf X sondern auf Y Stunden kommst und Du die Differenz forderst oder Sie mögen dir bitte begründet erklären wie die Differenz zustande kommt.

  • Hallo,

    danke für die Antwort.

    Betriebsrat gibt es keinen und eine BV "Arbeitszeit" meines Wissens auch nicht. Die Erfassung erfolgt durch eine elektronische "Stechuhr".

    Die Stempelzeiten werden Morgens und Abends auf Viertelstunden gerundet:
    Einstempeln um 7:44 Uhr ist plus 15 Minuten, Einstempeln um 7:46 ist kein plus
    Abends genau andersrum:
    Ausstempeln um 17:14 Uhr kein plus, um 17:16 ist plus 15 Minuten
    Die Zeiterfassung der Mittagspause erfolgt minutengenau.

    Letztlich möchte ich aber keine "Erklärung" vom Personalbüro für die Differenzen, sondern eben die Auflistung meiner Arbeitszeiten, wie eingangs schon gesagt. Daher nochmal die Frage: Ist der AG berechtigt dem AN einen Ausdruck aus der Personalakte zu verweigern?

    MfG Michael

  • Das Gesetz sagt hier wirklich "Einsichtsrecht". Deshalb gehe ich davon aus, dass dein AG dir diese Stundenzettel auch nicht zusenden muss.

    Die Zeit, die Du für die Einsicht benötigst, ist natürlich Arbeitszeit und die Fahrt zur Zentrale und zurück wäre dann ja eine Dienstreise, die der AG dann auch zu vergüten hat ( Fahrtkosten + Arbeitszeit).

    Wenn der AG dir also die Aufzeichnungen nicht zusenden will, musst Du halt auf seine Kosten dorthin fahren. Genau das hat Dir der Chef ja angeboten.

    Du wolltest es halt einfacher machen aber wenn der AG das nicht will......

    Ich gehe jetzt davon aus, dass das "offizielle" Saldo zu deinem Ungunsten ist. Oder ist es genau umgekehrt?

  • Für die Personalakte an sich, gilt tatächlich ein Einsichtsrecht. Soweit richtig.

    Aber als AN würde ich mich darauf berufen, dass es ja nicht mein Problem ist, wenn der AG die Daten woanders lagert, als da wo ich arbeite und ich nur mein Recht auf Einsicht in Anspruch nehmen will, also während der Arbeitszeit und auf Kosten des AG mich gerne auf die Söckchen mache.

    Es gäbe da aber ja noch die DSGVO, nach der ich Auskunftsrecht habe und Artikel 15 sieht bei elektronischen Auskunftssersuchen auch die elektronische Übermittlung der gespeicherten Daten vor. (Erläuterungen dazu hier)

    Mal schauen, was der AG dann sagt ;)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Wir haben bis vor einem Monat, monatlich einen Ausdruck der erfassten Arbeitszeiten erhalten. Dann kam eine neue Software und es hieß aus der Personalabteilung, diese Ausdrucke machen zuviel Arbeit und wenn ein Kollege dies wünsche würde er seinen Ausdruck von der Personalabteilung bekommen. Nun wollten einige Kollegen ihre Ausdrucke haben und haben als Antwort bekommen: Die gibt es nicht mehr und die Personalabteilung habe keine Zeit für sowas.:evil:

    Wenn ich das richtig verstanden habe, könnten die Kollegen also nach Art. 15 DSGVO eine Einsicht in ihre erfassten Arbeitszeiten erhalten? Oder sollen sie sich lieber auf § 83 BetrVG berufen?

  • Inwiefern die Aufzeichnungen der Arbeitszeiten bei euch tatsächlich Teil der Personalakte sind, weiß ich nicht, aber im Zweifelsfall würde ich das einfach behaupten und beide §§ ziehen. ;) (Warum sich mit einem begnügen? Die nutzen sich ja nicht ab, gell?)

    Als BR würde ich dem AG hier aber ganz schnell auf die Füße steigen. Entweder sie hielten sich an ihre Zusage oder der BR wird hier über die E-Stelle eine BV erzwingen.

    Im Übrigen sollten moderne Zeiterfassungssystem eigentlich so etwas wie ein "Employee-Self-Service" anbieten. Damit ist gemeint, dass jeder AN auf seine eigenen Daten (lesenden!) Zugriff hat. Bei uns geht das sogar soweit, dass wir darüber Zeitkorrekturen und Urlaub beantragen können und neuerdings sogar unsere AU-Zeiten. (AU einscannen, anhängen, fertig.)

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  • Hallo,

    im Arbeitsrecht gilt meistens das "Schrotschuss"-Prinzip. Du kannst ruhig mehrere Rechtsgrundlagen angeben. Wenn "eine Kugel trifft"/eine Rechtsgrundlage zutrifft, reicht das aus, um Ansprüche rechtswirksam geltend zu machen.

  • Moritz: Das ist bei uns auch geplant. Sie sind dabei entsprechende Änderungen an der Software vorzunehmen. Aber das geht nun schon seit fast einem Monat und bis das alles soweit funktioniert, haben die Mitarbeiter doch auch das Recht ihren Ausdruck zu bekommen.

    Es gibt eine einseitige Vereinbarung, die unser GF herausgegeben hat und in dieser steht: "Jeder Mitarbeiter bekommt einen monatlichen Ausdruck seiner Stechzeiten."

    Diese Vereinbarung stammt aus der Zeit, bevor der neue BR gewählt worden ist. Wir sind jetzt dabei, daraus eine BV zu machen. Aber da steht es ja auch schon eindeutig.

  • Ok, aber wenn die noch daran arbeiten und es für die Zukunft angedacht ist, dass alle AN eine entsprechende Auswertung oder lesenden Zugriff erhalten sollen, muss man dann jetzt auf die Barrikaden steigen, nur weil es für den Moment nicht so läuft wie gewünscht?

    Als BR würde ich mit dem AG vereinbaren, dass er keine AN benachteiligt, weil ihr Arbeitszeitkonto vielleicht nicht so aussieht, wie es sollte, solange sie darauf keinen Zugriff haben.

    Aber hier mal für 6 Wochen oder zwei Monate keinen Zugriff zu haben - geht dadurch die Welt unter? Selbst bei 3 Monaten wäre ich noch entspannt. Danach würde ich dem AG lediglich klar machen, dass evtl. Fehlstunden zu seinen Lasten gehen, weil die Kollegen ja keine Möglichkeit hatten gegenzusteuern.

    Das ist wieder so einer der Fälle, wo ich sage: klar, kann ich als BR da jetzt die Welle machen. Aber muss ich das? Tut das Not?

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  • Ich mache ja im Moment keine Welle. Nur bei mir stehen täglich Mitarbeiter, die sich darüber beschweren, dass sie keinen Ausdruck bekommen. Ich sage dann immer sie sollen sich noch einen Monat gedulden und das das Problem gerade bearbeitet wird. Wir wollten auf diesem Weg nur mal wissen ob es eine rechtliche Grundlage gibt die erfassten Arbeitszeiten einzusehen.

  • Team-ifb

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