Lohnanpassungen

  • Hallo liebe Leser,

    ich würde gerne euren Rat erfragen.

    Die 5 Mitglieder in unserem Betriebsrat sind alle in diesem Jahr neu in den Betriebsgewählt worden und wir sind somit alle Neulinge.

    Gleich zu Beginn unserer Amtsperiode ist eine Vereinbarung zu Lohnanpassungen in unserem Unternehmen ausgelaufen und wir haben sehr kurzfristig ein Vorschlag für Lohnanpassungen bei der Geschäftsführung eingereicht. Unser Vorschlag beinhaltet einen festen Prozentsatz für die nächsten 2 Jahre.

    Nachdem wir nun über Wochen, Monate immer wieder hingehalten und vetröstet wurden, kam die Geschäftsführung nach über 3 Monaten mit einem Gegenvorschlag der eine Lohnanpassung mit einem kleinen festen Prozentsatz (1%) und eine variable Gewinnbeteiligung beinhaltet. Wie sich rausstellte hatten Sie dieses Konzept schon dem früheren Betriebsrat angeboten und es wurde abgelehnt.

    Wir haben nun bei einer Betriebsratsitzung am letzten Freitag ebenfalls dagegen gestimmt, weil das Konzept überhaupt nicht zu Ende gedacht ist und viele Fragen offen sind. Es konnte uns auch nichts konkret vorgerechnet werden, wie das funktionieren soll. Es ist nur eine Grundidee vorhanden. Rechenbeispiele und Erklärungen sucht man aber vergebens.

    Als unser Betriebsratsvorsitzender dem Geschäftsführer, der auch gleichzeitig Hauptinhaber es schon einmal mündlich vorab ankündigen wollte, dass wir seinen Vorschlag ablehnen werden, hatte Dieser angedroht das Unternehmen zu verkaufen, wenn wir seinem Vorschlag nicht zustimmen. Er hat noch mehrere andere Firmen im Ausland und brauch das Unternehmen nicht. Da es zuletzt tatsächlich sowieso schon auch ein großes Thema war, dass das Unternehmen verkauft wird und Arbeitsplätze verloren gehen, ist das eine ernstzunehmende Androhung.

    Ich empfinde das schon eigentlich als Nötigung, aber ich weiss da auch nicht was ich dazu sagen soll und bin da ratlos.

    Grüße Saskia

  • Willkommen im Leben. Das gibt es nicht nur bei euch sondern auch in vielen anderen Betrieben.

    Ein kleiner Hinweis: Da der BR keine Tarifvertragspartei ist darf er auch keine Gehaltsverhandlungen machen. Schon mal daran gedacht?

  • Hallo Lexipedia,

    nun das es auch in anderen Betrieben auch gemacht wird, habe ich nicht bezweifelt. Genau genommen habe ich darauf gesetzt, dass hier jemand in einer ähnlichen Situation ist und mehr Erfahrung hat und mir vielleicht etwas hilfreiches mitteilen kann.

    zum Hinweis: Ja daran haben wir gedacht. Diese Lohnanpassungen (für die Berücksichtigung der Inflationsrate / steigenden Lebenskosten und zur Würdigung der geleisteten Mehrarbeit durch die hohe Auftragslage) werden jedoch in unserem Unternehmen seit über einem Jahrzehnt mit der Geschäftsführung verhandelt und auch gemacht. Das wir nun uns als Betriebsrat hinstellen sollen und der Belegschaft mitteilen, wir machen das nicht mehr und dieses Jahr gibt es nicht, lässt sich aber auch sicherlich nicht gut vermitteln.

  • Tja, das ist ein lisitger AG:

    Der BR führt die Tarifverhandlungen, und die AN haben kaum einen Grund, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Und so muss der AG bei den Tarifverhandlungen kaum Druck befürchten.

    Ich denke, genau das müsste man den kollegen sagen: Dass nämlich das bisherige System Mist ist und Ihr gerade alle ein gemeinsames Problem habt.

  • Hallo BMG,

    vielen Dank für deine Einschätzung und deinen Vorschlag zur Herangehensweise.

    Unser AG ist mit allen Wassern gewaschen. Das kann ich bestätigen.

    Ehrlich gesagt ist die Lohnanpassung so ziemlich das Einzige was unser Betriebsrat das letzte Jahrzehnt gemacht hat. Es gibt keine Strukturen. Protokolle wurden nicht geführt. Die meisten Mitglieder waren Dauerkrank oder konnten die deutsche Sprache lesen, geschweige denn einen Gesetzestext lesen.

    Wir waren als erste Betriebsratsmitglieder im Unternehmen überhaupt bei einer Schulung und haben zum ersten Mal bei ASA-Sitzungen teilgenommen. Wir haben Sprechstunden für die Mitarbeiter eingeführt.

    Es gibt eine Betriebsvereinbarung aus 2007 über ein Zeitkonto, wo der Betriebsrat auf alle Mitbestimmungsrechte verzichtet. In der Vereinbarung sind Rechenfehler. Die Vereinbarung gilt nur für einen Teil der Belegschaft. Bei der Verwaltung werden die Überstunden am Monatsende nur wieder auf Null gesetzt. Wir haben da im ersten Monat unserer Amtszeit ein Konzept erarbeitet und eine Änderungskündigung mit einem Vorschlag für eine neue Vereinbarung beim AG eingereicht. Die Antwort per Email war, dass Ihnen unsere Gesetzte Frist für eine Rückmeldung zu kurz ist und sie einen Termin mit uns wollen. Der Termin kam dann nicht zustande, weil es dann hieß „die Lohnanpassungen sind erst einmal wichtiger und wir sprechen dann über die Zeitkonten sobald die anderen Verhandlungen beendet sind“. Diese Aussage kam vom AG wohlgemerkt.

    Es gibt kaum Unterlagen zu irgendwas… Arbeitszeiten etc…

    Und und und… was ich damit sagen will, dass hier überall Mist und haufenweise Arbeit vor uns liegt, aber irgendwo muss man ja anfangen… allerdings ist auch nicht einfach Änderungen herbeizuführen, wenn einem gleich mit dem Verkauf des Unternehmens gedroht wird.

  • Da möchte ich Lexipedia widersprechen.

    Nicht weil der Tipp mit der Gewerkschaft generell schlecht wäre, aber es wäre nicht das erste was ich täte.

    Als erstes solltet ihr euch (und euren Kollegen!) klarmachen, dass es immer die Verantwortung des AG ist, was er tut oder nicht. Was der AG hier mit euch macht ist die typische emotionale Erpressung. "Wenn ihr nicht so wollt wie ich will, tue ich ganz schlimme Dinge und ihr seid schuld!"

    Nein, lieber AG, wenn du schlimme Dinge tun willst, ist es immer deine Verantwortung, denn wir haben nichts in der Hand um dein Handeln zu beeinflussen! Tu also was du für richtig hältst, aber erzähle nicht solchen Bullshit wir wären daran schuld!

    Was eure laufenden Gehaltsverhandlungen angeht, hat Lexipedia ja schon auf den Knackpunkt hingewiesen. Es mag zwar so sein, dass das bei euch übliche Praxis ist/war, ändert aber nichts daran, dass es euch schlicht nicht zusteht solche Verhandlungen zu führen.

    Ganz im Gegensatz zu den Verhandlungen zum Arbeitszeitkonto. Die sind voll von der Mitbestimmung des § 87 BetrVG gedeckt. Also könntet ihr jetzt folgendes machen: ihr fragt noch einmal freundlich an, ob der AG die Verhandlungen zu den Arbeitszeitkonten nicht weiterführen möchte. Nein? Dann ruft ihr die Einigungsstelle an (dazu nehmt ihr euch sinnvollerweise einen Fachanwalt für Arbeitsrecht).

    Allerdings seid gewarnt, das ist schon ziemlich starker Tobak (nicht generell, aber so von Null auf Gleich...), wird also wohl kaum das Wohlwollen des AG erringen.

    Gleichzeitig könntet ihr aber auch dem AG signalisieren, dass ihr euch ganz generell eine leistungsorientierte Bezahlung durchaus vorstellen könntet, das aber beinhaltet, dass sowohl geklärt ist, wie die Leistung gemessen als auch vergütet wird. Grobe Absichtsideen helfen da nicht, da bräuchte es dann schon konkrete Zahlen und Pläne... (sprich signalisiert Gesprächsbereitschaft über ein System (das dürft ihr verhandeln!), haltet euch aber von den konkreten Zahlen weg!)

    Zahlen und Pläne in diesem Zusammenhang meint z.B., dass ihr nicht vereinbart, wie hoch genau die Gehaltserhöhungen sind, sondern dass ihr vereinbart, dass es einen Topf gibt, der nach folgendem Schlüssel verteilt wird... Was der AG dann in den Topf tut ist seine Sache, wie ihr das Geld verteilt, da bestimmt ihr mit!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.