§82 BetrVG Anhörungs-und Erörterungsrechte: Arbeitsentgelt erörtern möglich?

  • Hallo in die Runde,
    bei uns gibt es keinen Tarif, keine Gewerkschaft aber 1200 Mitarbeiter.

    Eine Betriebsvereinbarung zur Entlohnungsgrundsätzen gibt es auch noch nicht.

    Jetzt wollte ich mal wissen, ob §82 Absatz 2 (Der AN kann verlangen, dass ihm die Berechnung und Zusammensetzung des Arbeitsentgelts erörtert [...]wird) sich auch dafür verwenden lässt, dass man als Arbeitnehmer einen Anspruch darauf hat, warum man das verdient was man verdient.

    Der konkrete Fall: Eine Arbeitnehmer hat bei seiner Einstellung letztes Jahr versehentlich einen Fehler bei seiner Gehaltsverhandlung gemacht. Er hatte zuvor 34h/Woche gearbeitet und das Gehalt für 34h/Woche als seine Wunschvorstellung angegeben. Dem wurde auch gerne entsprochen, denn es handelte sich um eine 40h/Wochen-Stelle. Es ist einer der wenigen Arbeitnehmer, der in einem 3-Schichtsystem arbeitet, Erfahrung hat er auch und liegt jetzt mit seinem Gehalt im unteren Bereich der Vergleichsgruppe (30 Leute). Korrekt wäre es jetzt, wenn der Arbeitgeber einsieht, dass hier ein Fehler gemacht wurde und den Arbeitnehmer besser bezahlt. Würde der Arbeitgeber das jetztige Gehalt um 15% anheben, würde der Arbeitnehmer in der Mitte der Vergleichsgruppe landen, was passend erscheint.

    Ich finde leider kaum Kommentare zum §82 Absatz 2 und wenn dann steht da nur, dass der Arbeitnehmer sich die Zusammensetzung (Grundgehalt, Schichtzulage) und die Berechnung (z.B. wie das Urlaubsgeld berechnet wird) erläutern lassen kann. Warum er gerade das Gehalt bezieht, was er bezieht, ist da wohl nicht mit gemeint, oder?
    Der Arbeitnehmer wird wohl kündigen, wenn der Arbeitgeber kein Einsehen hat, was dem Arbeitgeber auch Kosten (neue Ausschreibung) verursachen würde.

    Wenn §82 BetrVG Abs. 2 nicht zieht, dann bleibt wohl nur §84 und§85, oder sieht das hier jemand anders?

    Viele Grüße!

  • ganz ehrlich - ich verstehe nicht wieso man einen Paragraphafen benötigt, um mit seinem Ag in einem sachlichen Gespräch über sein Gehalt zu reden.

    Mit guter Argumentation (gute Arbeit, Flexibel, Schichtdienst, Leistungsträger etc)

    kommt man da doch viel weiter als mit demSchmu - bei der Bewerbung dachte ich das Gehalt wäre für 34 Wochenstunden - alle anderen verdienen mehr mimimi.

    Und der BR sollte sich mal um Eingruppierungrichtlienien etc. kümmern.

  • Hallo Kintana,

    grundsätzlich hast Du recht. § 82 BetrVG ist genau für diese Art von Gesprächen vorgesehen.

    Wenn es aber keinen BR gibt bzw. einen BR, der seinen Aufgaben nicht nachkommt (zB durch eine BV zur Entgeltordnung), ist das ein ganz "stumpfes Schwert", da die Nichtbeachtung durch den AG erst mal für diesen keinerlei Konsequenzen hat.

  • Hallo

    Manchmal kommt man mit gutem Zureden dann doch nicht weiter, dann sind § gar nicht so schlecht.

    Und whoepfner so stumpf ist das Schwert gar nicht, zumindest nicht in Verbindung mit § 84 und § 85 BetrVG.

    Richtiger ist aber auch das Schaffen von Entlohnungsgrundsätzen durch den BR.

    Sollte der AG so mit sich reden lassen ist dies natürlich auch vorzuziehen.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Hallo erco,

    worin soll denn bitte die inhaltliche Grundlage für eine Beschwerde bestehen, wenn es mangels Entgeltordnung/Entlohnungsgrundsätzen überhaupt keinen individualrechtlichen Anspruch auf eine bestimmte Eingruppierung gibt ?

  • Hallo whoepfner

    Ich habe von der schärfe des Schwertes geschrieben, so wie du auch.

    Und die Schärfe liegt darin das, wenn der BR die Beschwerde annimmt und der AG nicht, der BR die Einigungsstelle anrufen kann. Unabhängig davon ob die Einigungsstelle die Beschwerde für berechtigt erachtet. Also geht es für mich in diesem Falle erstmal nicht um Inhalte.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Zitat von Kintana:

    Korrekt wäre es jetzt, wenn der Arbeitgeber einsieht, dass hier ein Fehler gemacht wurde und den Arbeitnehmer besser bezahlt.

    Eine Frage: Hat der betroffene Arbeitnehmer (AN) bereits mit dem Arbeitgeber (AG) darüber gesprochen und um eine Angleichung gebeten? Begründet ist es meines Erachtens und ehe er dem Arbeitgeber die Kündigung hinlegt, könnte man es doch erst einmal damit versuchen und die angedachte Kündigung gegenüber dem AG zu begründen. Damit zu "drohen" macht es sicher nicht besser.

    Es liest sich so, als hätte der AN das noch nicht getan sondern wäre mit dem Anliegen auf den BR zugegangen, der jedoch diesbezüglich kollektivrechtlich gar keine Regelungen mit dem AG vereinbart hat.

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.