Arbeitszeugnis

  • Hallo zusammen!

    Ich habe mal eine Frage in eigener Sache:

    Ich bin freigestellter BR-Vorsitzender in unserem Betrieb. Jetzt hätte ich gerne von meinem ehemaligem Vorgesetzten ein Arbeitszeugnis für die Zeit vor meiner Freistellung.

    Wie soll ich mich verhalten betr. des Grundes für das Arbeitszeugnis? Ich habe mich von meiner bisherigen Tätigkeit für die BR-Arbeit freistellen lassen.

    Für eine evtl. Bewerbung, für den Fall der von mir angestrebten (und vielleicht nicht erreichten) Wiederwahl nächstes Jahr, in einem anderen Betrieb wäre so ein Zeugnis logischerweise von Nützen.

    Ist es schlau hinein zu schreiben, daß ich mich für die BR-Arbeit habe frei stellen lassen und deswegen ein Zeugnis wollte?

    Auf der anderen Seite, wie erklärt man eine längere Lücke in der Vita?

    Habt ihr Erfahrungen gemacht?

    Vielen Dank für Eure Rückmeldungen!

    Sigurjohnsson

  • Das Zwischenzeugnis kannst du selbstverständlich und ohne Probleme damit erklären, dass du eben den Zwischenstand vor deinem neuen Job dokumentiert haben wolltest. (Ob das jetzt sinnvoll ist, das jetzt, Jahre später, zu machen steht auf einem anderen Blatt.)

    Während du die "normale" Tätigkeit im BR nicht im Lebenslauf anzugeben brauchst, wirst du als Freigestellter nicht umhinkommen hier Flagge zu zeigen. Denn wie du schon richtig bemerkt hast, wird es sonst extrem schwer die Lücken zu erklären.

    Ich würde in das Zwischenzeugnis so etwas hineinschreiben wie: das Zwischenzeugnis wurde auf eigenen Wunsch erstellt, da Herr/Frau ... neue Aufgaben übernimmt.

    Ob dir das wirklich hilft ist natürlich eine andere Frage. Denn selbst wenn du dich auf eine Stelle ja noch bewerben könntest und sagen: zur Zeit in ungekündigter Stelle, letztes Zwischenzeugnis vom ...... würdest du spätestens bei einem Vorstellungsgespräch die Frage danach, was du denn derzeit im Unternehmen machst, ehrlich beantworten müssen (wenn du nicht riskieren willst, dass der AG den Arbeitsvertrag sonst wegen falscher Angaben angeht).

    In Anbetracht der Tatsache, dass du als Freigestellter einen Wiederbeschäftigung- und Wiedereingliederungssanspruch (inkl. Schulungen) hast, wäre aus meiner Warte die schlaueste Variante hier erst mal im Betrieb zu bleiben und wenn du es unbedingt willst, später zu wechseln.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,

    sich ein Zwischenzeugnis geben zu lassen, ist gar nicht so selten und muss nicht gesondert erklärt werden, oder eben so, wie Moritz vorschlägt. BR-Tätigkeit und Freistellung muss man nicht in einen Lebenslauf schreiben.

    Eine längere komplette Freistellung wg BR, die möglicherweise zu einer Entfremdung von der ursprünglichen Arbeit geführt hat, darf allerdings prinzipiell im Zeugnis erwähnt werden (muss aber nicht). Deswegen meine Frage, wie lange ist Du im Betrieb, wie lange bist Du komplett freigestellt?

    Grüsse Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Hallo Winfried!

    Hallo Moritz!

    Ich bin freigestellt seit Anfang letzten Jahres. Im uNternehmen seit über 20 Jahren. Ich wollte auch eigentlich zu dem Zeitpunkt mir ein Zeugnis erstellen lassen von meinem letzten Chef.

    Ich muß mir selber zuschreiben, daß ich das verschlampt habe.

    Jetzt beschäftige ich mich aber gerade wieder mit dem Thema. Ich habe meinen letzten Chef bereits um ein Zeugnis gebeten und beschäftige mich jetzt logischerweise damit, welche Formulierungen welche Bedeutung haben und bin über den Punkt der Freistellung "gestolpert".

    Der Vorschlag von Moritz mit den "neuen Aufgaben" ist garnicht so schlecht.

    Grüße

    Sigurjohnsson

  • Ich hab dazu was gefunden, ich hoffe es hilft dir weiter!

    Betriebsrat (7 Urteile)

    (1) Der Arbeitnehmer hat in der Regel einen Anspruch darauf, daß eine Freistellung als Personalratsmitglied in einen Zwischenzeugnis nicht gegen seinen Willen erwähnt wird.
    - Hessisches LAG 19.11.1993 - 9 Sa 111/93

    (2) Ein Arbeitnehmer kann von der Arbeitgeberin (hier: BfA) verlangen, daß diese Angaben über seine ehrenamtlichen Tätigkeiten aufgrund des Bundespersonalvertretungsgesetzes (hier: Jugendvertretertätigkeit) aus einer dienstlichen Beurteilung (Zwischenzeugnis) entfernt.
    - LAG Hamm 6.3.1991 - 3 Sa 1279/90

    (3) Gewerkschaftliche Tätigkeit eines Arbeitnehmers oder dessen Mitarbeit im Betriebsrat dürfen nur auf ausdrücklichen Wunsch des Arbeitnehmers in ein qualifiziertes Zeugnis ausgenommen werden. Auch mittelbare Aussagen, welche ein derartiges Engagement nahelegen, haben zu unterbleiben.
    - ArbG Ludwigshafen 18.3.1987 - 2 Ca 281/87

    (4) Die Funktion eines Arbeitnehmers als Betriebsratsmitglied darf im Zeugnis nur ausnahmsweise erwähnt werden, und zwar nur dann, wenn der Arbeitnehmer es wünscht oder wenn er seiner Arbeit durch die Dauer der Amtsausübung völlig entfremdet ist.
    - LAG Frankfurt 2.12.1983, 13 Sa 141/83

    (5) Die Zugehörigkeit eines Arbeitnehmers zum Betriebsrat ist in aller Regel nicht im Zeugnis zu erwähnen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn es der Arbeitnehmer nicht wünscht. Etwas anderes kann allenfalls dann gelten, wenn der Arbeitnehmer vor seinem Ausscheiden lange Zeit ausschließlich für den Betriebsrat tätig war und der Arbeitgeber infolgedessen überhaupt nicht mehr in der Lage ist, dessen Leistung und Führung verantwortlich zu beurteilen.
    - LAG Frankfurt/M. 10.3.1977 - 6 Sa 779/76 1

    (6) Die Tätigkeit eines Arbeitnehmers als freigestelltes Betriebsratsmitglied darf im Arbeitszeugnis jedenfalls dann keinen Niederschlag finden, wenn durch die Freistellung der Arbeitnehmer von seinem Arbeitsplatz nicht entfremdet wurde (z.B. durch die Einführung neuer Arbeitsmethoden, Fertigungs- und Betriebsabläufe). 2. Eine Entfremdung vom Arbeitsplatz ist dann nicht gegeben, wenn der seit fast vier Jahren freigestellte Betriebsratsvorsitzende bis zuletzt regelmäßig den ihm vorgesetzten Meister während dessen Urlaub vertreten hat.
    - ArbG Kassel 18.6.1976 - (4) 3 Ca 240/76

    (7) Die Funktion eines Arbeitnehmers als Arbeitnehmervertreter (Betriebsratsmitglied) gehört, da die Ausübung dieser Funktion mit der Art des Arbeitsverhältnisses nichts zu tun hat, nicht ins Zeugnis.
    - LAG Hamm 12.4.1976 - 9 Sa 29/76

  • Hallo,

    bei über 20 Jahren Betriebszugehörigkeit in Relation zu gut 1 Jahr Vollfreistellung gehe ich davon aus, dass die Freistellung im Arbeitszeugnis nicht erwähnt werden darf.

    Die Formulierung mit den "neuen Aufgaben" ist m.E. nicht zu empfehlen, weil sie Nachfragen provoziert; als versteckter Hinweis auf die Freistellung ist das zwingend wegzulassen.

    Grüsse Winfried

    "Wenn Arbeit etwas schönes und erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen." (Paul Lafargue)

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.