Qualitätsprüfsiegel mit Zuordnung zur Person

  • Hallo zusammen,

    unser Auszubildender, der eine duale Ausbildung absolviert, soll ein Thema "Qualitätsprüfsiegel" als Hausarbeit für die Uni ausarbeiten. Ob dieses dann auch in unserem Unternehmen eingeführt wird steht noch nicht fest, aber er wollte sich einen rechtlichen Rat und eine Meinung des Betriebsrates einholen, was ich als sehr positiv empfinde.

    Wir sind im produzierenden Gewerbe tätig und um das Qualitätsbewusstsein der Kollegen/innen zu steigern ist angedacht, dass jeder einen Zettel mit einem Siegel und seiner persönlichen Nummer erhält. Auf dem Siegel steht dann z.b. "Qualitätsgeprüfte Ware" und eine Nummer die dem Kollegen/innen zugeordnet werden kann. Vor dem Verschließen eines Kartons, soll dann dieser Zettel beigelegt werden.

    Für Kunden ist der "Packer" quasi durch die Nummer anonymisiert, jedoch hier im Unternehmen ist anhand der Nummer nachvollziehbar, wer den Karton gepackt und verschlossen hat. Dadurch das jeder weiß, dass anhand der Nummer nachvollzogen werden kann, wer was gepackt hat, erhofft man sich ein noch bessere Qualitätsbewusstsein des Packers.

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Kollegen/innen davon nur sehr wenig begeistert sind, sollte dieses eingeführt werden.

    Wie ist eure Meinung dazu? Sehr ihr eine Mitbestimmung des Betriebsrates?

    Ich würde mich sehr freuen von Euch zu hören :D

    Viele Grüße

    Marco

  • Hallo Marco

    ihr seit hier zu 100% in der Mitbestimmung.

    § 87 Abs. 1 Satz 1 und Satz 6.

    Hier wird das Verhalten der Mitarbeiter überwacht. Ziel weniger fehler, ergebnis bei fehlverhalten, nachweisbar durch überwachung und damit abmahnbar bis hin zur kündbarkeit des Mitarbeiters, weil er gegen die Vorschriften der Arbeitsaufgabe verstoßen hat und somit seinem Job nicht erledigt hat.

    Somti zwingender Regelungsbedarf. dort sollte dann geregelt werden, wann findet die Auswertung statt, wer darf auswerten, wer muss dabei sein (z.B. keine Auswertung ohne Teilnahmes des BRV).

    Was sind die Folgen der Auswertung?

    Was sind die Schutzmechanismen für den Mitarbeiter

    Wann werden die Daten gelöscht

    Gruß

    Rabauke

  • Ein weitverbreitetes System. Ich habe jedenfalls solche Zettel schon zu Hauf irgendwo rausgeflöht...

    Will sagen, nichts wirklich neues. Und ja, ich sehe hier den BR durchaus in der Mitbestimmung.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo Marco,

    eine Mitbestimmung sehe ich höchstens, wenn es darum geht, dass irgendwelche "Ausschussqouten" oder sonstige Statistiken intern oder gar öffentlich bekannt gemacht werden sollten, hier würde meiner Meinung nach der Datenschutz greifen.


    So ein Zettel mit einer Nummer fällt doch unter das Direktionsrecht des AG, der dem AN vorschreibt, wie die Arbeit zu machen ist.

    Gerade im produzierenden Gewerbe ist es üblich, dass Abnahmeprotokolle, Prüfberichte, Laufzettel usw. vom jeweiligen Bearbeiter mit Unterschrift oder Kürzel abzuzeichnen sind. Oft genug sind also auch beim Kunden Klarnamen zu lesen.

    Irgendwie muss ja nachvollziehbar sein, wann, wie und wo ein eventueller Fehler passiert ist, besonders in zertifizierten Betrieben, wo auf die Dokumentation höchster Wert gelegt wird.

    Als BR würde ich hier erstmal das Gespräch suchen mit dem Ziel, zu verhindern, dass auf die von dir beschriebene Weise MA gegeneinander ausgespielt werden können. Wenn sich bei einer Person Fehler häufen sollten, wäre das meiner Ansicht nach eine Sache zwischen dem MA und dem Vorgesetzten.

    Solche Sachen wie Rankings würde ich vermeiden wollen, aber ob so etwas mitbestimmungspflichtig ist, kann ich dir aus dem Stegreif leider nicht sicher beantworten.

    Gruß

  • Vielen Dank schon einmal für die ersten schnellen Meinungen!

    Ich denke auch um darüber urteilen zu können, müsste man wissen ob eine Art Fehlermanegement parallel dazu eingeführt wird...und wie eventuelle Qualitätsmängel geahndet werden, da sie auf eine Person anhand der Nummer Rückverfolgbar sind...es sollten Lösungsvorschläge erarbeitet werden, wie die Fehler abgestellt werden können und keine Schuldzuweisungen entstehen aus meiner Sicht, da man aber eine Person festmachen will, läst es mich doch nachdenklich werden...

    Ist der Kreis "Verhalten im Betrieb" tatsächlich so groß um dort eine Mitbestimmung heran zu ziehen? Ist ein Beipackzettel tatsächlich eine "technische Einrichtung"?

  • Zitat von MarcoP.:

    Vielen Dank schon einmal für die ersten schnellen Meinungen!

    Ist der Kreis "Verhalten im Betrieb" tatsächlich so groß um dort eine Mitbestimmung heran zu ziehen? Ist ein Beipackzettel tatsächlich eine "technische Einrichtung"?

    ja kannst du und auch die techn. Einrichtung ist gegeben.

    Es geht ja nicht allein um das Zettelchen ;), sondern wie kommt der Mitarbeiter an sein zettelchen und wieso weis der Arbeitgeber welches Zettelchen von wem eingesetzt wird und wo und wie wird denn das zettelchen erfasst um den Qualitätsfehler festzustellen?

    Wir machen das mit deinem EDV System, ;), und dieses ist eine technische Anlage, in der alle Reklamationen erfasst werden. Dort steht dann drin, wann die Reklamation eingegangen ist, welcher Beipackzettel in dem Karton war und welche Schicht die Produkte gefertigt hat.

    Du mußt also nicht nur das Zettelchen sehen, sondern das drumherum was erforderlich ist.

    Bei uns ist ein Rückschluss auf Einzelpersonen oder Gruppen nur zulässig, um diese dann zu schulen und zukünftig die Fehleranzahl somit zu minimieren.

    Personelle Einzahlmaßnahmen auf Grund dieser Auswertung (Versetzung, Um(ab)gruppierung, so wie Abmahnungen) sind unzulässig.

    Gruß

    Rabauke

  • Das sehe ich genau so. Ging es nur darum, dass jeder einen Zettel hat, den er da "reinwirft"... wenn's dem AG Spaß macht. Das wäre tatsächlich noch ohne MBR denkbar.

    Aber seien wir realistisch, das ist doch nicht die Intention des AG. (Und würde auch nicht helfen, denn wenn ich weiß, dass die Zettel keinerlei Auswirkungen haben, warum sollten sie mich zu irgendwas motivieren/animieren?)

    Er will doch damit im positiven Beispiel erreichen, dass die AN mit den wenigsten Reklamationen ausgezeichnet werden und im negativsten, sich von den AN mit den meisten Reklamationen verabschieden. Und dann sind wir (spätestens) nicht nur bei den technischen Einrichtungen, sondern auch gleich in den Ziffern 10 "Fragen der betrieblichen Lohngestaltung, insbesondere die Aufstellung von Entlohnungsgrundsätzen und die Einführung und Anwendung von neuen Entlohnungsmethoden sowie deren Änderung;" und 11 "Festsetzung der Akkord- und Prämiensätze und vergleichbarer leistungsbezogener Entgelte, einschließlich der Geldfaktoren"

    Und insofern, sehe ich hier ganz klar ein Mitbestimmungsrecht bei der Einführung solcher Zettel. (Selbst das Tragen von Namensschildern unterliegt der Mitbestimmung)

    Also setzt euch mit dem AG zusammen und macht euch Gedanken, wie das zukünftig ablaufen soll.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.