Pflicht zur Verschwiegenheit

  • Hallo liebe Experten,

    bin mir jetzt nicht sicher, ob das Thema den Kern der Sache trifft.

    Also folgendes: eine MA, geringfügig beschäftigt, übernahm die ambulante Pflege und Betreuung eines Patienten, aufgrund von Personalmangel wurde sie von der PDL darum gebeten. Während des Dienstes erhielt sie eine email der PDL, mit der Frage ob alles gut liefe, oder es irgendwelche Probleme gäbe. Die MA schrieb zurück, dass soweit alles klappen würde, aber beschwerte sich auch über einige Dinge, die nicht so wären, wie sie eigentlich sein müssten. Die Frage, ob sie noch weitere Dienste an dieser Stelle machen könne, verneinte sie. Einige Tage später bat sie der GL telefonisch, doch noch mal einen Dienst zu übernehmen, da einfach zu wenig Personal da wäre. Sie ließ sich überreden, aber nur für diesen einen Dienst. Bei Ankunft am Einsatzort, wurde sie auf`s Äußerste von den Angehörigen bedrängt. Dieses Verhalten setzte sich während der gesammten Schicht, fort. Der Grund und Auslöser war die email, die von der PDL ausgedruckt und den Angehörigen ausgehändigt wurde. Die MA ist fix und fertig und meinte, so einen schlimmen Dienst hätte sie noch nie erlebt. Sie erwägt rechtliche Schritte gegen die PDL einzuleiten.

    Ich enthalte mich eines Kommentares und würde gerne eure Meinung hören. Vor Allem, was können wir als BR, was kann die MA tun.

    Vielen Dank mal wieder, für eure Hilfe

    Roady51

  • Hallo Roady51,

    das eigentliche Problem ist für mich eigentlich der Vertrauensverlust, der durch diese Aktion der PDL entstanden ist.

    Wenn die Kollegin nicht gewollt hätte, dass durch das Aufzeigen von Missständen eine Verbesserung i.S.d. zu Pflegenden herbei geführt wird, hätte sie vermutlich überhaupt nichts gesagt.
    Trotzdem ist für mich verwerflich und absolut inakzeptabel, dass die PDL die Kollegin ohne jedwede Vorwarnung erneut zu diesem Patienten geschickt hat und eine mögliche weitere Vorgehensweise nicht im Vorfeld besprochen hat.

    Was die Weitergabe dieser Email betrifft, könnte eine Anzeige in diesem Fall ggf. ausgehen wie das Hornberger Schießen.
    Trotzdem gilt grundsätzlich: "Die unerlaubte Veröffentlichung einer für einen eingeschränkten überschaubaren Personenkreis bestimmten E-Mail ist wie die Veröffentlichung eines Briefes als eine Beeinträchtigung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts anzusehen (s. OLG Stuttgart, Urteil vom 10.11.2010, Az. 4 U 96/10; LG Köln, Urteil vom 28.5.2008, Az. 28 O 157/08).

    Hat es denn nach diesem Vorfall eigentlich ein Gespräch zwischen dieser Kollegin und PDL gegeben?

    Meine persönliche Meinung ist, dass ich mir als AN vermutlich einen anderen AG suchen würde, da der Vertrauensverlust vermutlich nicht zu kitten ist.
    Und rechtliche Schritte gegen die PDL werden auch nicht dazu beitragen, dieses Vertrauen wieder herstellen zu können. Damit sind die Würfel eigentlich schon gefallen, sprich die innere Kündigung ist bereits ausgesprochen!

    Gruß
    Kokomiko

  • Hallo Kokomiko,

    vielen Dank für deine Antwort. Da sich die betroffene MA mit einer Beschwerde an den BR gewandt hat, hatten wir ein ein Gespräch mit der GL, die der Sache nachgehen wird. Gleichzeitigt wird die Kollegin auch einen RA konsultieren, der sie sicherlich richtig beraten wird. Ein persönliches Gespräch zwischen der PDL und der MA hat bisher nicht stattgefunden. Auf jeden Fall zeigt es, wie mit den MA in unserem Hause (oder auch allgemein) umgegangen wird und wieviel Arbeit uns noch bevorsteht. Du hast vollkommen recht mit deiner Meinung, dass es sich um einen großen Vertrauensbruch handelt und das Verhalten der PDL völlig inakzeptabel ist. Die Kollegin ist eine hochqualifizierte Krankenschwester, die seit Jahren im Intensivbereich tätig ist und mit ihrer Einschätzung nur das Wohl des Patienten im Auge hatte.

    Nochmals vielen Dank für deine Einschätzung der Situation und den Hinweis auf das Urteil des OLG Stuttgart.

    Liebe Grüße

    Roady51

  • Hey Pflegekollege,

    dieser Fall geht ja gerade überall rum, auf FB hab ich diesen schon gelesen.

    1. Ich find gut das ihr direkt mit eurer Leitung gesprochen habt und auf das Fehlverhalten aufmerksam gemacht habt.

    2. Wir hatten mal einen Ähnlichen Fall (auch Pflege). Daraufhin haben wir mit der GF zusammen eine BV erarbeitet zum Beschwerde und Verbesserungsmanagment.

    Dort war klar geregelt wer Beschwerden entgegen nimmt und wie mit den Beschwerden umgegangen wird und wer welche Infos erhält.
    Und wie die Beschwerde Ausgewertet werden.

    Seither hat sich das Thema zum positiven gewandelt.... Und Kollegen können sagen was sie denken und was Stört. ;)

    LG

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.