Abmahnung inkl. Teamleitung Entzug

  • Hallo zusammen,

    ich habe eine, zwei oder drei Fragen. :)

    Es wurde einem Kollegen eine Abmahnung erteilt. (Mangelnde Loyalität gegenüber seinem Vorgesetzten.) Hierzu wird eine Gegendarstellung erstellt.

    Dem Kollegen wurde aufgrund dieser Abmahnung die Teamleitung entzogen, ohne uns als BR darüber zu informieren. Ist das rechtens?

    Dazu hat die Personalabteilung diese aus unserer Sicht "personelle Veränderung" bereits im Intranet, ohne unser Wissen, veröffentlicht. Das dürfen sie doch nach § 99 nicht, oder?!

    Könnt ihr mir bzw. unserem Kollegen helfen.

    Was zu der Abmahnung noch zu sagen ist:

    Er bekam diese aufgrund eines Gesprächs mit der Geschäftsleitung, dies führte er mit einem Kollegen (gleiche Position) über seinen direkten Vorgesetzten. Da diese zwei Kollegen nicht über den Vorgesetzten gehetzt oder geschimpft haben, sondern dem Geschäftsführer klar machen wollten, dass der Wagen an die Wand fährt. --Diese ist ja eig. loyal der Firma gegenüber--

    Einem wurde die Abmahnung erteilt, dem anderen nicht. Rechtens?

    LG

  • Uiuiuiuiuihhhhhh [/SAMSON_MODUS_OFF]

    Hier werden ein paar Dinge zusammengewürfelt, die so gar nicht zusammengehören...

    Also mal der Reihe nach:

    Zitat von NaWie:

    Es wurde einem Kollegen eine Abmahnung erteilt. (Mangelnde Loyalität gegenüber seinem Vorgesetzten.) Hierzu wird eine Gegendarstellung erstellt.

    Ich hoffe doch, der Kollege ist so schlau und behält seine Gegendarstellung für sich. Die kann er immer noch aus der Tasche zaubern, sollte der AG versuchen mit Hilfe dieser Abmahnung eine Kündigung durchzusetzen.

    Gegendarstellungen (so verständlich sie emotional sein mögen) haben zwei Probleme:
    1) der AG wird sie im Zweifelsfall immer als "Beharren auf seinem Fehlverhalten" interpretieren
    2) sollte der AG feststellen, dass die Abmahnung tatsächlich zu unrecht war, wird er sich einen neuen Grund für eine neue Abmahnung suchen

    Deswegen: Gegendarstellung schreiben, Zeugen und deren Aussage sichern und gut aufheben. Eine falsche/zu unrecht erhobene Abmahnung wird nicht dadurch richtig oder rechtens, nur weil ich den AG nicht aus seinem Wolkenkuckucksheim vertreiben wollte.

    Zitat von NaWie:

    Dem Kollegen wurde aufgrund dieser Abmahnung die Teamleitung entzogen, ohne uns als BR darüber zu informieren. Ist das rechtens?


    Wenn der AG das will, kann er ihm die Teamleitung auch wegen der falschen Socken entziehen. Will sagen, prinzipiell mal ist der AG frei in seiner Entscheidung, wen er mit welchen Aufgaben betraut.

    Aber, und damit kommen wir zu deiner nächsten Frage:

    Zitat von NaWie:

    Dazu hat die Personalabteilung diese aus unserer Sicht "personelle Veränderung" bereits im Intranet, ohne unser Wissen, veröffentlicht. Das dürfen sie doch nach § 99 nicht, oder?!

    selbstverständlich ist das eine Versetzung, zu der der Betriebsrat nach § 99 BetrVG anzuhören ist. Hier könnt ihr also dem AG mit der vollen Wucht des BetrVG "ein Hörnchen ziehen".

    Zitat von NaWie:

    Könnt ihr mir bzw. unserem Kollegen helfen.


    Wenn ihr es schafft, dem AG klar zu machen, gegen wieviele §§ er hier verstoßen hat, mit welchen Kosten für den kommenden Rechtsstreit er zu rechnen hat, und welche Außenwirkung sein Vorgehen hat, könnt ihr dem Kollegen vielleicht helfen.

    Zitat von NaWie:

    Da diese zwei Kollegen nicht über den Vorgesetzten gehetzt oder geschimpft haben, sondern dem Geschäftsführer klar machen wollten, dass der Wagen an die Wand fährt. --Diese ist ja eig. loyal der Firma gegenüber--

    Einem wurde die Abmahnung erteilt, dem anderen nicht. Rechtens?


    Fangen wir hinten an: Ein alter Grundsatz in der Juristerei besagt: Keine Gleichheit im Unrecht. Soll heißen, wenn sein Verhalten tatsächlich abmahnfähig war (ich war bei dem Gespräch nicht dabei, würde aber nach der Schilderung erst einmal Zweifel anmelden), ist seine Abmahnung nicht deshalb unrecht, nur weil der andere Kollege nicht auch abgemahnt wurde.

    Aber mit Sicherheit wäre es angebracht, sich dieses scheinbar sonderbare Verhalten des AG beim nächsten Monatsgespräch erklären zu lassen.

    Ansonsten passt die Schilderung aber sehr gut zu einem Artikel aus der AiB 6/2015, wonach die AG ihre Firmen zwar immer als weltgewandt und innovativ verstanden haben möchten, aber eigentlich lieber AN haben, die zu allem Ja und Amen sagen und bloß nicht selber denken...

    Traurig aber wohl leider wahr.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • In Ergänzung zu Moritz noch einige Hinweise:

    1.Der Kollege kann den Grund für die Abmahnung JEDERZEIT bestreiten.Also auch in einem eventuellen Küdigungsschutzprozeß. Dann obliegt dem AG die Beweislast, daß die Abmahnung zu recht ausgesprochen wurde.

    2.Fordert den AG auf,ein Unterrichtungsverfahren wegen VERSETZUNG nach §99 BetrVG gegenüber dem BR einzuleiten, insbesondere Euere ZUSTIMMUNG hierzu einzuholen.

    3.Weigert sich der AG,dann solltet Ihr auf jeden Fall ein Verfahren nach §101BetrVG beim Arbeitsgericht einleiten mit dem Antrag, daß dem AG unter An- drohung eines ZWANGSGELDES aufgegeben wird, die VERSETZUNG rückgängigzu machen.

    4.Darüber hinaus könnt Ihr nach §23 Abs.3 BetrVG flankierend ein auf die Zukunft gerichtetes Verfahren einleiten, indem dem AG aufgegeben wird, unter Androhung eines Ordnungsgeldes,es zu unterlassen, VERSETZUNGEN durchzuführen,ohne das der BR zuvor gemäߧ99 BetrVG beteiligt wurde.

  • Zu den Aussagen von Moritz und Iwan kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Außer besser kann man es nicht schreiben!

    Nur habe ich noch eine Frage zu dem TO:
    Wie siehts denn mit dem Entgelt aus. Teamleitung weg = Weniger Geld?

    Dann kann sich die GL bzw. Personalabteilung in eurem Fall aber warm anziehen!

  • :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

    Wow vielen vielen Dank...

    Jetzt packen wir es an! :D :D

    Wir haben der Personalabteilung bereits mitgeteilt das Sie gegen § 99 BetrVG verstoßen haben.

    Jedoch will die Personalleitung und GL es so darstellen, dass es sich hierbei nicht um eine personelle Veränderung handelt??!!! :?: :roll: Um was denn dann????

    Wir haben nach § 99 BetrVG die PL und GL aufgefordert die öffentliche Auschreibung und Mitteilung auszusetzen, bis sich der BR dazu beraten hat.

    Das kam darauf hin:

    Eine Rücknahme der Information oder der Maßnahmen werden wir nicht veranlassen und werden an diesem Schritt festhalten, da eine weitere Zusammenarbeit aufgrund der mangelnden Loyalität von Herrn xxx gegenüber Hr xxx nicht zumutbar ist.

  • Tja, dann solltet ihr eurem AG mal die Sachlage kostenpflichtig von einem Arbeitsrichter erklären lassen. Die einschlägigen §§ hat iwan ja benannt.

    Und das schöne daran ist: in diesen Fällen ist der Anwalt Sachmittel gem. § 40 BetrVG, sprich es reicht, dass der BR einen gültigen Beschluss fasst um ihn mit der Durchsetzung seiner Rechte zu beauftragen.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Zitat von Lexipedia:

    Zu den Aussagen von Moritz und Iwan kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Außer besser kann man es nicht schreiben!

    Nur habe ich noch eine Frage zu dem TO:
    Wie siehts denn mit dem Entgelt aus. Teamleitung weg = Weniger Geld?

    Dann kann sich die GL bzw. Personalabteilung in eurem Fall aber warm anziehen!

    Könnten wir hierzu noch weiter Infos bekommen?

    In wie weit warm anziehen?

    Sind da gerade sehr unbeholfen :?: :?:

    Wir werden nun nochmals auf den § 99 BetrVG zurück greifen. Da es sich hier um eine personelle Einzelmaßnahme handelt.

    Die andere Frage die wir uns hier noch stellen ist, ob es sich tatsächlich um eine Versetzung handelt wenn ihm die Teamleitung entzogen wurde?

    Zum Thema Endgelt:

    Er hat eine Zusatzvereinbarung zum AV unterschreiben die besagt das er für diese Position eine monatliche Zusatzzahlung erhält. Diese wurde ihm natürlich jetzt schriftlich entzogen da er kein Teamleiter mehr ist. Hätten wir da nicht auch ein Mitbestimmungsrecht nach § 87???

    Wir waren bisher viel zu nett gegenüber der GL und PL, deswegen haben wir davon keine Ahnung. Wir haben zu oft ein Auge zugedrückt. Was unsere momentane Arbeit auch noch erschwert ist, dass unser BRV nicht da ist.

    Ich wurde erst letztes Jahr in den BR gewählt. Also nehme ich jetzt den Welpenschutz hier in Gebrauch :lol:

  • Zitat von NaWie:

    Die andere Frage die wir uns hier noch stellen ist, ob es sich tatsächlich um eine Versetzung handelt wenn ihm die Teamleitung entzogen wurde?

    Eine ebenso klare, wie kurze Antwort? Vielleicht nein, vermutlich ja.

    Da solltet nicht ihr euch einen Kopf drum machen, lasst das einen Arbeitsrichter entscheiden. Der hat das studiert und kennt sich da aus.

    Ihr könnt euch da immer auf den Standpunkt stellen: lieber AG, du wolltest uns ja keine Informationen geben, für uns klang das stark nach Versetzung... (mit möglichst treuherzigem Augenaufschlag!)

    Eine Versetzung ist alles, was dazu führt, dass sie sich die Aufgaben und/oder Umstände der Arbeit verändern. Und das sie sich (erheblich) ändern, dafür spricht die Zulage die man ihm jetzt wegnehmen will. (Man würde ihm ja nicht mehr Geld geben, wenn die Aufgaben nicht andere/zusätzliche wären, oder?)

    Aber nochmal: macht euch da keinen Kopf drum, lasst das woanders klären. Schlimmstenfalls erklärt der Arbeitsrichter euch, warum das keine Versetzung war und dann sind wir wieder bei o.g. Text ;)

    Und was das Entgelt angeht: ich vermute mal, lexipedia ist von einer Eingruppierung als Teamleiter (o.ä.) ausgegangen und die Änderung der Eingruppierung wäre selbstverständlich anhörungspflichtig.

    Dadurch, dass die Teamleiterfunktion mit einer Funktionszulage versehen ist, wird sich aus dem Minderverdienst wohl eher weniger "Nektar saugen lassen", und wenn, dann allenfalls auf individualrechtlicher Basis. Gleichwohl spricht das wieder stark für eine Versetzung!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo NaWie,

    der betroffene Kollege kann auch individualrechtlich gegen die arbeitgeber-

    seitige Entscheidung gerichtlich vorgehen.Ist der Kollege vieleicht rechtsschutz-

    versichert oder Mitglied einer Gewerkschaft?

    Soweit es die MBRechte des BR betrifft,rate ich Euch dringend,einen Fachanwalt

    für Arbeitsrecht aufzusuchen.Wenn Ihr niemanden kennt,kann ich Euch eventuell

    weiterhelfen.Du brauchst mir nur die beiden ersten Ziffern Euerer Postleitzahl

    mitzuteilen.Ich kenne einige TOP-Anwälte,die republikweit unterwegs sind.

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen.